Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 42. Band.1920
Seite: 261
(PDF, 108 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_42_1920/0297
der „Flötenspieler", ein Werk von ausgesprochen
musikalischer Empfindung. Er ist wohl die reifste
der Arbeiten. Die wundervolle Rückenlinie (der
trotz Bekleidung fast als Akt durchgebildeten
Figur) klingt völlig zusammen mit dem Faltenwurf
des Gewandes. An dieser Gestalt tritt der
Zug romantischer Ironie, der durch das ganze
Schaffen der Künstlerin geht, am stärksten hervor.

„Die grüne Flöte" lehnt sich an eine Figur
des gleichnamigen Balletts von Hofmannsthal
an, zu dem Ernst Stern für die Reinhardt-
Bühnen die Entwürfe anfertigte. Auch dieser
Tänzer ist ganz von musikalischen Empfindungen
durchdrungen, er wandelt einher in der
Welt Mozartscher Töne. Aus seiner Flöte
kommt die süße und doch mächtige Melodie,
die den bösen Zauber bricht, der das düstere
Verhängnis in dem Tanzspiele bildet. Die
„Grüne Flöte" verkörpert die allgewaltige Sehnsucht
, die schließlich jedes Hindernis überwindet
und zum Siege verhilft. Trotz aller Anlehnung
an ein gegebenes Vorbild ist auch hier

der Künstlerin ein durchaus eigenes Werk gelungen
. Voll reichen inneren Lebens und starker
körperlicher Bewegtheit ist diese kleine Gestalt
, die wiederum ihre ungemein persönliche
Linie trägt. In dem Tanzschritt des von Sehnsucht
erfüllten Meisters der „Grünen Flöte"
liegt die ganze sieghafte Leichtigkeit Mozartscher
Kunst. — Wie einfach erscheint das Kostüm
, und doch ist es in seiner Schlichtheit
erfüllt von Phantasie! Eine sympathische Bescheidenheit
wird hier geübt durch Verzicht
auf alles Überflüssige und durch Betonung einer
großen Einfachheit. Und abermals ahnt man
unter dem teils eng anliegenden, teils flatternden
Gewand einen klassisch durchgebildeten
Akt. Hier sind Klänge aus dem Rokoko, barockes
Empfinden und eine ganz moderne Kunstauffassung
zu einem glücklichen Ganzen verbunden
.

Die Arbeiten der Elisabeth Goetz-Gleistein entstehen
zuerst meist in Wachs. Diese Technik hat
ihr ein neues und doch altes Gebiet erschlossen.

E. GOETZ-GLEISTEIN-BERLIN

KNIENDER ENGEL

Dekorative Kunst. XXIII. 9. Juni 1920

26l




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