Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 42. Band.1920
Seite: 264
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einer Jugend, die; allen Wegen mißtraut, an
deren Meilensteinen noch die Runen einer organischen
Erziehungslehre zu lesen sind. Der
Expressionismus kam, sah und siegte; sein
Entwicklungsvorgang, dessen Wurzeln ja keineswegs
in dem Neuland des revolutionären
Deutschland ruhen, sondern ihre Absenker bis
tief in den künstlerischen Nährboden des alten
Reiches hineinsenden, wird den Historikern der
Zukunft weniger rätselvoll erscheinen als uns,
den Zeitgenossen. Schon heute aber, wo er
kaum ein Jahrzehnt auf dem Rücken trägt,
hört man's in seinem Gebälk knirschen. Will
man seine Daseinsberechtigung aus dem besonderen
Rhythmus der Gegenwart, aus dem
Gemisch von Geistigkeit und Materialismus, von
Eroberungswillen und Resignation, von Fatalismus
, Bitterkeit und Betäubungsdurst erklären,
wird man ihm zwar kaum ein jubelndes Wachstum
in reinere Zonen einer entstaubten Daseinsluft
prophezeien, gewiß aber verstehen,
warum sich die Augen und Herzen vieler mit
gläubigem und dankbarem Eifer an ihn hängen.
Dem Schicksal, zur Mode zu werden, konnte
er freilich nicht entgehen, und, schlimmer noch,
zur Groteske, zur Verspottung seiner selbst.
In den wimmelnden Mengen der Mitläufer, der
Handfertigen, der Routiniers verschwinden die
Profile der wenigen Führer, die wirklich die

innere Flamme zur Neugestaltung des Wesenhaften
, zur Reformierung des optisch Faßbaren
getrieben hat. Der Kern ist zerbrochen, die
Splitter der Schale liegen umher und die Samenkörner
verkümmern unter ihrem Druck.
Schon haben einzelne Propheten der Bewegung
den Zusammenbruch erkannt. Aber ihre Warnung
kommt zu spät, ihr Zorn wird zum ohnmächtigen
Fäusteballen, das nur Mitleid erregt.
In wenigen Jahren wird die Reaktion vor uns
stehen. Ihre Parole kann nicht anders lauten
als: Zurück zur Natur!

Das Kunsthandwerk hat in dem wilden Auf
und Ab, in dem Rausch der Selbstbespieglung
und Selbstverherrlichung, den das Heer der
literarisch gegängelten Maler und Bildhauer
in die Welt hinausschrie, still und ernsthaft
an sich gearbeitet. Es ist bezeichnend für den
Geist, der ihm voranleuchtet, daß die Revolution
die Fragen der künstlerischen Erziehung
in den Vordergrund seiner Probleme geschoben
hat. Ob es sich darum handelt, die Werte
der empirisch - realistischen Bildungselemente
denen der historisch-stilistischen entgegenzuhalten
, Naturwirklichkeit und Kunstüberlieferung
in ihrem Einfluß auf die Bereiche des
Kunstschaffens zu untersuchen, ob man die
Grenzbezirke der absoluten, ungebundenen
Formgestaltung und die der zwecklich bestimm-

H. EHRENLECHNER

SILBERNE SCHMUCKBÜCHSE

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