http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_42_1920/0304
Kaffeegeschirren ist dem Material jede Schönheit
abgewonnen; in leisen Schwellungen, die sanfte
Lichter auf dem Rund des Gefäßes entzünden,
in zarten Rippen offenbart es seine Elastizität,
und jede Form zeigt die verständige Rücksicht
auf gute Handhabung und leichte Reinigung.
Heute sind die Fragen der inneren Entwicklung
handwerklicher Kunst nicht mehr die for-
malerUmbildungaus naturalistischen oder stilistischen
Gegebenheiten. Arbeiten wie diese Ehren-
lechners stehen jenseits der formalistischen Versuchszone
, aber auch jenseits der technischen
Virtuosenkünste. Das Können, das dem Menschen
erreichbar ist, und das armselig genug
bleibt, es muß dienen, darf nicht herrschen im
Reiche der Kunst! hat kürzlich einer der Ad-
mirale der deutschen Zweckkunst gesagt, einer
von denen, die Hand, Auge und Herz in vollendetem
Einklang walten lassen können. Der an
die Elbe verschlagene Münchner, von dessen
Schaffen wir hier einen Ausschnitt darstellen,
ist heute so weit in seinem Werdegang, daß
sein Können eben nur noch ihm und seinem
Formwillen dient. Und da es auch um das Ersinnen
bei ihm aufs beste bestellt ist, so darf
er sich mit Fug, dem ehrlichen Sprüchlein aus
Volksmund gemäß, zu den Meistern seiner Zunft
rechnen. E. Haenel
H. EHRENLECHNER □ TAUFPOKAL. SILBER, TEILWEISE
VERGOLDET MIT TÜRKISEN UND PERLSCHALEN
268
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_42_1920/0304