http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_42_1920/0310
ARCH. H. JESSEN-BERLIN
GESCHÄFTSHAUS S. BLEICHRÖDER, BERLIN, UNTER
DEN LINDEN: TREPPENHAUSFENSTER IM HOF B
laufenden Zügen der Behren- und Französischen
Straße einerseits sowie den rechtwinklig auf
diese stoßenden der Mauer- und Kanonierstraße
einnimmt, hat seine besondere Geschichte. Der
älteste Bauteil war in den Jahren 1872—74
von Ende und Böckmann für die Deutsche Unionbank
errichtet worden und ging 1876 in den Besitz
der Deutschen Bank über. Alle folgenden
Neubauten auf der Ostseite der Mauerstraße
und den angrenzenden Teilen der Behren- und
Französischen Straße wurden von Martens ausgeführt
, desgleichen auch der erste Schwibbogen
am westlichen Ende der Französischen Straße.
1910, nach dem Tode Martens', wurde Jessen
mit der Weiterführung der Bauten betraut und
seine Hauptaufgabe war es, auf dem neu hinzuerworbenen
Baugrunde der Westseite der
Mauerstraße ein Bankhaus zu errichten, das
den weitgehenden Anforderungen der sich gewaltig
ausdehnenden Deutschen Bank in selbständiger
Welse gerecht werden mußte. Dieser
Jessensche Neubau, der die ganze Straßenfront
sowie zwei rechtwinklig ansetzende lange
Hofflügel umfaßte, sollte neben zahlreichen
Bureaus vornehmlich die Gesamtdirektions-
räume aufnehmen sowie einige große, der neuen
Entwicklung entsprechende Sitzungssäle, da die
von Martens erbauten sich schon als zu klein
erwiesen. Nur ein bereits bestehender Bau auf
dieser Straßenseite konnte und mußte verwendet
werden, nämlich das vor nicht langer Zelt
erbaute Haus der Nordstern-Gesellschaft, das
gleichfalls von der Deutschen Bank erworben
war. Jessens Plan ging dahin, für diese ganze
große Straßenseite eine einheitliche Fassade
zu entwickeln und auch die Nordsternfassade
entsprechend zu verändern, während die Bauherren
zunächst von ihm verlangten, die Gesamtfront
in den gleichen prunkenden Formen
des Nordsterns in rotem Sandstein auszuführen.
Schließlich kam ein Kompromiß zustande:
Jessen mußte darauf verzichten, den Nordsternbau
in seinen Plan elnzubeziehen, erhielt im
übrigen aber freie Hand. Da gleichzeitig mit
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