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dem Neubau ein zweiter, die Mauerstraße überspannender
Schwibbogen das alte und das neu
zu errichtende Haus verbinden sollte, hatte er
die Herren von der Notwendigkeit überzeugen
können, in Stil und Material — Verwendung
von Rustika und hellem Sandstein — dem
älteren Bankhause sich anzuschließen.
Uns erscheint die Verwendung der Rustika
wohl fremd in dem Berlin, das seine besondere
Note aus den schlichten glatten Fassaden des
18. und angehenden 19. Jahrhunderts erhält,
doch auch hier wirkt Jessen versöhnend und
ausgleichend: indem er das ganze oberste Geschoß
und als Parallelwirkung auch den gesamten
Schwibbogen in einfacher Quaderung
ausführt und dazu noch in überaus kühner
Weise mitten in die Hauptfassade durch fünf
Fenster Front des ersten und zweiten Geschosses
eine Enklave in derselben Ausführung
hineinlegt, gelingt es ihm, den Anschluß an
die weitere Umgebung zu erreichen.
Schwierigkeiten bot auch der neue Schwibbogen
. Es war eine kaum lösbare Aufgabe, ihn
künstlerisch einwandfrei
über die
Straße zu führen.
In alten Städten
mit schmaleren
Straßen wirken
solche Bögen wohl
intim,aber hier galt
es, ihn über eine
22 m breite Straße
zu legen, wobei
noch die Baupolizei
verlangte, daß
die beiderseitigen
Aufleger nicht weiter
als 60 cm aus
der Mauer vorsprangen
. Trotzdem
wirkt Jessens
Lösung überzeugend
. In den großen
Umrissen hielt
er sich wohl an
den benachbarten
Martensschen Bogen
, aber er gibt
vereinfachte, klarere
Linien. Und
wie trefflich gesetzt
sind die zweimal
sechs Figuren
(von Prof. Hugo
Kaufmann) auf
dem schlicht hori-
. . arch. h. jessen - berlin m
zontaien uesims mauerstrasze: Vestibül
des Bogens. In Größe und Abstand glücklicher
gewählt als die vielfach unbekümmerter sich
darbietenden Sandsteinfiguren der alten Potsdamer
und Berliner Häuser. Vergleichbar den
alten Bischöfen und Heiligen auf der Würzburger
Mainbrücke.
Auch in der Ausgestaltung der Hoffassade
findet sich Rustika. Jessen konnte und wollte
hier vermeiden, daß Straßen- und Rückfassade
des Gebäudes auseinanderfielen. Aber nur bis
zum Ansätze des ersten Stockwerkes reicht
die Rustika, nach oben zu gibt es dann glatt
verputzte Flächen, zwischen den beiden folgenden
Obergeschossen belebt durch lange Reliefstreifen
und dazwischen eingestreute Medaillons.
Das oberste Geschoß wieder, wie nach der
Straße, abgesondert, und zwar hier durch eine
unmittelbar an die Fensterbretter reichende,
horizontal fortlaufende Leiste, geschmückt durch
Folgen von Rundmasken und überraschend
kühn dazwischen eingelegte Ornamentbänder.
Reizvoll die Wechselbeziehung dieses „Laufenden
Hundes" zu den Reliefstreifen darunter,
sowie der Köpfe
zu den großen
Medaillons.
Von überzeugender
Selbstverständlichkeit
ist
das Vestibül, das
in geschliffenem
und poliertem
Muschelkalk sich
darbietet. Keine
Raumverschwendung
, keine große
Treppenanlage.
Dominierend und
den Blick auf sich
lenkend die den
Haupt verkehr vermittelnde
Anlage,
der in Bronze
ausgeführte Fahrstuhl
.
Der neue Kassenraum
folgt in
den Grundzügen
den Martensschen
Vorbildern. Auch
hier eine geräumige
Halle mit
Oberlichtanlage.
Nur gibt sich alles
wieder schlichter,
klarer. In Wand-
und Deckeneintei-
im direktionsgebäude lung, in Säulenbil-
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