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dung und Schalterausführung überwiegt das
Zweckmäßige. Reine Ornamentik (wie z. B. die
Palmetten in den Querfüllungen über den Fenstern
) ist nur sparsam verwendet und völlig
eingeordnet. Im übrigen wirken die praktischen
Zubehöre: Möbel, Beleuchtungskörper, die Fenster
- und Schalteranlagen sowohl durch ihre
Ausführung als auch durch ihre Größenmaße
und Einbeziehung in den Raum als raumschmückend
.
In den Verwaltungsräumen konnte der Architekt
sich unbeschränkt ausleben, konnte aus
dem Vollen schaffen und das Glück auskosten,
das unseren modernen Bauleitern nicht oft beschieden
ist: in edlen Materialien zu schaffen.
Jedoch Jessen verzichtet auf jeden Prunk: überwiegend
sieht man glatte Vertäfelungen und
Paneele, gegliedert
durch Ornamentfriese
und Füllungen
. In der Flucht
von Sprech- und
Warte-, Direktionsund
Versammlungsräumen
bildet die
Verwendung der
ganzwandigen Paneele
(abwechselnd
aus Mahagoni- und
Zedernholz) das einende
Moment, fast
durchgängig auch
die unmittelbar darüber
sich spannenden
weißen Stuckdecken
. Aber höchst
reizvoll der stete
Wechsel in der Gliederung
bei Stuckdecken
und Holzwänden
. Je nach
dem Umfang der
Räume bald zartere
Ornamentstreifen
und Friese und Reliefs
, bald kräftig
betonte Profilierungen
und voll hervortretender
plastischer
Schmuck, der
hier im Innern ebenso
, wie an den Fassaden
von Lehmann
- Borges geschaffen
wurde. Lederpolster
und Teppiche
und Tischbekleidungen
fein ab-
arch. h. jessen-berlin o
direktionsgebäude.
getönt zueinander und zu den Paneelen. Schlicht
und doch eindrucksvoll die Beleuchtungskörper
(von Richard L. F. Schulz), im Linienzug mit
Wand- und Deckenornamenten sich begegnend.
Bequem und ansehnlich das Gestühl. Eigenartig
und zweckgemäß die Form der Sitzungstische
, oval, nach den Enden sich verjüngend,
damit von jedem Platze aus der jeweilig Sprechende
bequem gesehen werden kann. Qualitätsarbeit
, gut handwerkliche überall, von der
Vertäf elung im ganzen, in der die großen Platten
fugenlos aneinander grenzen, bis zu dem bestens
ausgeprobten Verschluß der doppelten schweren
Türen, die beide gleichzeitig mit einem Handgriff
sich bewegen lassen.
Besonders erfreulich ist es aber, daß diese
Kleinarbeit nicht nur an den Fassaden und in
den jedem Besucher
zugänglichen Teilen
des Hauses hervortritt
, sondern durchweg
geleistet ist. In
allen bankbautech-
nischen Einzelheiten
kam Jessen die
jahrelange Spezial-
tätigkeitzugute.Nur
wer, wie er, wiederholt
Kassentische
und -Schalter, Lüf-
tungs- und Ozonanlagen
, Rohrpostsender
und alle sonstigen
Teile einer
Bankeinrichtung bearbeitet
und erprobt
hat und bei neuen
Bauten immer wiederweiterbilden
und
entwickeln konnte,
vermag Brauchbares
zu leisten.
Einige weitere
Bankbauten Jessens
seien hier kurz angeführt
. So die
Mecklenburgische
Hypotheken- und
Wechselbank zu
Wismar.
In der Fassade
unverkennbar der
Anschluß an die
Bauten um 1800:
mit der entfernt zip-
pusähnlichen Gie-
deutsche bank, Berlin belbildung, dem dis-
tur in zedernholz kreten Relieffries
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