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netzglas
sog. diatreton
rheinland
-4. jahrh. n. chr.
ALTER UND NEUER GLASSCHNITT
Unter allen kunstgewerblich nutzbaren Materialien
ist das Glas wohl dasjenige, das die
meisten Bearbeitungsmöglichkeiten darbietet. In
seiner Entstehung eine „art du feu", läßt es sich
eben nur im heißflüssigen Zustand formen, durch
Blasen mit der
Glasmacherpfeife
, durch Zusammenschmelzen
mehrerer Teile,
durch Kneifen
mit Werkzeugen,
durch Pressen in
Hohlformen. Zusätze
von Oxyden
gestatten die
Herstellung einer
unendlich reichen
Skala der
Glasmasse, und
durch regelmäßiges
oder regelloses
Mischen verschiedenfarbiger
Massen, auch
durch Einpressen
farbigerGlas-
fäden in die noch
weiche Oberfläche
eines fertig
geformten Gegenstandes
lassen
sich die köst- sog. hedwigsgl as □ Ägypten
lichsten farbigen Effekte erzielen. Weiter kann
man plastischen Farbdekor durch Aufschmelzen
von Fäden, Knöpfen, Perlen usw. anbringen,
sowie .durch Bemalen mit kalten Farben, durch
Einbrennen von Emailfarben und durch Vergoldung
die Oberfläche
farbig beleben
. Schließlich
ermöglichen
mechanische
Eingriffe in die
Oberfläche besondere
Zierwei-
sen,so das Reißen
mit dem Diamanten
, das Einhämmern
kleiner
Punkte (das sog.
„Punktieren"
oder „Stippen")
und endlich das
Schleifen und seine
feinere Abart,
das Schneiden.Es
isteigenartig,daß
gerade das sprödeste
und zerbrechlichste
Ma-
terial,das wir kennen
, eine so große
Zahl von Be-
arbeitungsmög-
elftes—zwölftes jahrh. lichkeitenzuläßt.
Dekorative Kunst. XXIII. 10. Juli 1320
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