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HOCH SCHNITTPOKAL VON FRANZGUNDE-
LACH n KASSEL, ANFANG DES 18. JAHRH.
Deckelpokal (Abb. S. 290) mit dem Brustbild
des Landgrafen Carl von Hessen-Kassel, den ich
früher ebenfalls dem Gottfried Spiller zugewiesen
habe, dann aber als eine Arbeit des in
Kassel tätigen Franz Gundelach erkannt habe*),
gibt eine glänzende Probe von dem virtuosen
Können dieser Barockmeister. Das vorzüglich
in hohem Relief geschnittene Brustbild ist teils
in der matten, rauhen Oberfläche belassen,
teils — in den Haaren und dem Gewand —
durch Blankpolitur zu außerordentlich plastischer
Wirkung gebracht. Hier ist also die ganze
umgebende Fläche der Kuppa weggeschliffen
worden, so daß der Kopf und die seitlichen
*) Vgl. Kunst und Kunsthandwerk (Wien, Jahrgang
20, S. 33 ff.).
W. VON EIFF-STUTTGART □ ZEPPELINPOKAL
1915 (HOCHSCHNITT)
Trophäen kameenartig erhaben über dem spiegelnden
Grund stehen. Auch der ganze übrige
Pokal ist bis zu dem bekrönenden Fürstenhut
auf dem Deckelknauf in kräftigstem Reliefschnitt
behandelt.
Derartig hervorragende Werke hat das 18. Jahrhundert
allerdings nur wenige, das ig. gar nicht
aufzuweisen. Erst in neuester Zeit hat ein junger
schwäbischer Künstler, Wilhelm von Eiff in
Stuttgart, den Hochschnitt wieder zu Ehren
gebracht. Was er sowohl im Ornamentalen wie
im Figürlichen und besonders im Porträt leistet
, davon geben unsere Abbildungen eine
ausgezeichnete Vorstellung. Der Profilkopf des
Grafen Zeppelin auf dem massigen Deckelpokal
(Abb. S. 290), wie das Brustbild Pazau-
reks auf dem ovalen Dosendeckel (Abb. S. 291)
290
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