http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_42_1920/0341
den Regionen, die Bode als diejenigen der „fur-
nisher and outfitter" charakterisierte, fehl am
Ort? Genügt es, im einzelnen die für Innenkunst
minder befähigten Baukünstler (deren sicherlich
viele sind!) in ihre Grenzen zu weisen, oder
ist es vonnöten, an der heute noch bestehenden
Personalunion zwischen Architektur und
Innendekoration prinzipiell zu rütteln?
Werfen wir einmal einen Blick auf das Schaffen
eines typischen Vertreters der Architektur,
der heute vorwiegend kunstgewerblich arbeitet:
des kürzlich wieder von Zürich nach dem alten
Schauplatz seines Wirkens, München, zurückgekehrten
Rheinländers Peter Birkenholz.
Stellen innerhalb unserer „staatlich bewirtschafteten
" Baukunst die der freien Konkurrenz
überlassenen Gebiete ohnedies bloß bescheidene
Enklaven dar, so gelangen selbst
hier nur wenige Auserwählte ans Ziel — nicht
immer die Berufensten. Birkenholz, den es gewaltig
zur Monumentalarchitektur zog, hat an
vielen „Konkurrenzen" teilgenommen. Er hat
grandiose Entwürfe für den Leipziger Bahnhof
und das Berliner Opernhaus ausgearbeitet; eine
famose, mit einem 2. Preis ausgezeichnete Lösung
der Karlsbader Kurhaus-Aufgabe; ein großzügiges
Projekt für den Ausbau des Münchner
Augustinerstocks; eine städtebaulich hervorragende
Idee für eine Leipziger Siedlung am
Wasser — all das legt beredtes Zeugnis von
seinem Rang als Baukünstler ab. So manchem
unbefangenen Betrachter wird der logische Ernst
und die Phantasiefülle dieser leider auf dem
Papier stehengebliebenen Arbeiten in Erinnerung
sein. Einige kleinere Entwürfe — Villenbauten
an der Bergstraße; Umbau des Sanatoriums
Hoeßlin in München — wurden glücklicherweise
in lebendige Wirklichkeit umgesetzt.
Neben diesen Leistungen des Außenarchitekten
geht aber auch schon seit den Anfängen
von Birkenholz' künstlerischer Tätigkeit das
Wirken auf dem Gebiete der dekorativen Kunst.
Von Anfang an ein Gegner jener Künstler,
die in der Einbildung lebten, gleichsam eine
Bretterwand zwischen Gegenwart und Vergangenheit
errichten zu können, mußte er sich
sehr früh schon „Biedermeierei" vorhalten lassen,
ohne daß er übrigens jemals im „Biedermeier"
oder einem anderen Vergangenheitsstil völlig
aufgegangen wäre. Auf einer Reihe deutscher
Ausstellungen zeigte er seine charaktervolle
Innenkunst. In den letzten Jahren stellte ihm
die Schweiz größere innenarchitektonische Aufgaben
, deren Lösungen (die Inneneinrichtung
des Hauses Keller; Umbau und Inneneinrichtung
eines anderen, ebenfalls in der Züricher
ARCH. P. BIRKENHOLZ
SCHREIBTISCH IN MAHAGONI. SCHNITZEREIEN
VON GEORG RÖMER-MÜNCHEN s
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