Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 42. Band.1920
Seite: 302
(PDF, 108 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_42_1920/0342
Bahnhofstraße belegenen Hauses, s. unser Dezemberheft
1919) auch die deutsche Fachpresse
mit Interesse verfolgt hat.

In seinen jüngsten Arbeiten, die z. T. hier
wiedergegeben sind, bewährt Birkenholz die
erprobten Vorzüge seiner ernsthaften und feingeistigen
Art von Neuem. Der Formensprache
der Antike selbst im Gefühl näherstehend
als ihren späteren Einzelauswirkungen
(denen gegenüber er dadurch volle Unbefangen-

ARCH. P. BIRKENHOLZ □ GESCHNITZTER SPIEGEL
IN DUNKLEM MAHAGONI
SCHNITZEREI VON GEORG RÖMER-MÜNCHEN

heit wahren konnte), bevorzugt er im ganzen
die schlanken, gelassen bewegten Grundmotive,
trotz ernster Schlichtheit der Gesamtform immer
eine stille, mehr nordische Grazie bewahrend.
(Eine Eigentümlichkeit, nebenbei bemerkt, der
der Aufenthalt inmitten des patrizischen Alt-
Zürich mit seiner ruhevollen Seelandschaft
wohl nur förderlich sein konnte.) Diese ruhigen
Grundlinien liebt er übrigens durch ein zumeist
in Rhomben- und Sternformen gehaltenes,
phantasievoll konzipiertes Stabwerk zu durchbrechen
, dessen Gestaltungsprinzip er in vereinfachter
Weise auch (Abb. S. 300, 301) auf intar-
siierte Flächen überträgt. Schreibkommode und
Kasten in dem neuen Damenzimmer (Abb. S. 299)
sowie die Chippendale nahestehenden, aber phantasievoll
über ihn hinausgreifenden Stuhllehnen
in dem älteren Cretonneraum (Abb. S. 303) sind
reizvolle Beispiele dieser Arbeitsweise. Für die
Ausführung dekorativer Friese an der oberen
Begrenzungslinie von Schreibtischen, Bücherschränken
, Ziertischchen ladet er gern befreundete
Plastiker zur Mitarbeit: sein Helfer bei
den diesmal gezeigten Stücken war der Münchner
Bildhauer Prof. Georg Römer, unter dessen
Mitwirkung das „reiche Herrenzimmer" (Abb.
S. 300) einen eigenartigen und bedeutenden
Charakter von energischer und gemessener
Noblesse gewann. Einen Mann in führendgebietender
Stellung wünschte man von dem
schönen Schreibtisch aus walten zu sehen. Bei
der Schnitzerei des Spiegels hatte der Bildhauer
übrigens auch Gelegenheit, in den Formen
der deutschen Spätrenaissance (der Birkenholz
weniger in den Möbelformen als im Dekor
der Räume seine Reverenz zu erweisen liebt:
so besonders im Keller-Haus) sein reiches
figurales Können zu dokumentieren.

Was für das Hölzwerk die Schnitzarbeit, das
ist für die Stoffe die Belebung durch Stickerei
und lebhafte Musterung, wie sie Birkenholz
ebenfalls in wohlerwogener Weise anwendet
(Abb. S. 299 u. Mattdruck). Dazu sorgen noch die
satten,warmen Farbenakkorde seiner Innenräume
vollends dafür, daß die feine Gelassenheit dieser
Kunst niemals zu trocken-kühler „Vortrefflichkeit
" verblaßt. Dabei weiß er in Farben wie
in Formen die Stimmungsunterschiede vorbildlich
auszuwerten. Welcher Unterschied doch
zwischen dem auf dem Kontrast zwischen
dunklem Möbelbezug und rotbunter Tapete
gestimmten Damenzimmer mit seiner hellen
Stickerei, seinem goldgelben Holzwerk, seinen
weißen Griffknöpfen auf der einen, dem „reichen
Herrenzimmer" auf der andern Seite,
dessen seriösem, aus dunklerem Holz gearbeiteten
Mobiliar der Zusammenklang einer durch
helle Holzstäbe streng gegliederten roten Da-

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