Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 42. Band.1920
Seite: 308
(PDF, 108 MB)
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KANN ICH AUCH JETZT NOCH MEIN HAUS BAUEN?*)

In seinem ausgezeichneten und viel gelesenen
Werke „Wie baue ich mein Haus?" hat Mu-
thesius die Richtlinien des Bauens aufgestellt, wie
die Wohnkultur des bürgerlichen Heimes gehoben
und dem Eigenheim jene schöne wohlige
Atmosphäre gegeben werden könnte, in einstigen
Tagen Wunsch und Hoffnung aller, die sich aus
der Enge der Stadt heraus aufs Land sehnten.
Jenes etwas großzügige, Behaglichkeit atmende
Bauen haben leider die außerordentlichen Bedrängnisse
der Nachkriegszeit so gut wie unmöglich
gemacht. Ja, es erhebt sich die Frage, ob
denn bei der Materialknappheit und den gewaltig
gestiegenen Kosten ein über die dringenden Erfordernisse
der Erstellung von Kleinwohnungen
hinausgehendes Bauen überhaupt noch möglich,
das gediegene Bürgerhaus wenigstens als Eigenheim
noch denkbar ist. Dieser Frage und ihrer
Beantwortung hat Muthesius seine neueste Schrift
gewidmet. Er wirft
das Problem auf,
zeigt die besonderen
Schwierigkeiten, bejaht
aber doch die
Möglichkeit des Bauens
selbst im gegenwärtigen
schweren
Zeitpunkt. Freilich
unter Bedingungen,
der.en sich zu unterwerfen
niemandem
eingefallen wäre, der
sich vor 1914 ein Eigenheim
hätte bauen
wollen. Sparen ist
die Losung auch hier,
wie in der Errichtung
von Siedlungsbauten
und Kleinhäusern
, Einschränkungen
in der Gesamtanlage
des Hauses
, der Zahl der
Wohn- und Wirtschaftsräume
, ihren
Ausmaßen in Fläche
und Höhe, ihrer Ausstattung
und der vereinfachten
Gestaltung
der ganzen Erscheinungsform
. Gespart
werden muß
ferner durch verschärfte
Ausnutzung
aller Teile des Hauses
, engeres Zusammenlegen
aller not-

*) Muthesius, Hermann
.„Kann ich auch
jetzt noch mein Haus
bauen?" Richtlinien für
den wirklich sparsamen
Bau des bürgerlichen Einfamilienhauses
unter den
wirtschaftlichen Beschränkungen
der Gegenwart.
Mit Beispielen. Preis gebunden
M. 10.-. München
1920. F. Bruckmann.

ARCH. P. BIRKENHOLZ □ VORPLATZSPIEGEL, GEÄTZT

wendigen Einrichtungen wie Verwendung der
wohlfeilsten Baustoffe und wirtschaftlichsten Bauweisen
unter Berücksichtigung rationellster Bauerstellung
durch Typisierung, Normung und wissenschaftliche
Betriebsführung. Wie die einmaligen
Ausgaben der Errichtung des Baues möglichst
niedrig und die Bedingungen hierfür erfüllt werden
müssen, so sind vor allem auch die dauernden
Ausgaben, bauliche Unterhaltungskosten, Instandsetzungen
und Erneuerungen, Kosten der Bewirtschaftung
und der Beheizung usw. auf das Geringstmaß
herabzusetzen, um so einerseits an Bedienung
und Hauspersonal wie Eigenarbeit, andererseits an
dem so teueren Heizmaterial zu sparen. Das vermag
praktischste Einteilung des Hauses und aller seiner
Räume, gediegenste Bauausführung und beste
Heizanlage. Wie man so bemüht sein sollte, die
Kosten von Bau und Wirtschaft zu vermindern,
so muß den bei aller Sparsamkeit immer noch

so hohen Ausgaben
auch eine Einnahme
gegenüberstehen, die
sich aus einer erhöhten
Ausnutzung des
Gartens und intensivster
Gartenwirtschaft
ergibt. Dazu
müssen auch beim
Bürgerheim alleMög-
lichkeiten derZusam-
menfassungderHäu-
ser im Doppel- und
Kleinhaus und die
rechtlichen und wirtschaftlichen
Vorteile
neuer Formen ausgenutzt
werden, wie sie
sich beim Arbeitersiedlungshaus
ergeben
haben. Überhaupt
sollte das
Kleinhaus, natürlich
nicht in bloßer Nachahmung
, aber in der
Idee der Wirtschaftlichkeit
und Sparsamkeit
Vorbild des
Wohnhauses auch
anderer Schichten
werden und hierfür
gibt Muthesius in sei-
nemBuchRichtlinien
und Beispiele von
ausgeführtenund geplanten
Landhäusern
, die erläutert an
einer Anzahl Abbildungen
— Ansichten,
Grundrissen, Lage-
plänen-für verschiedene
Verhältnisse erweisen
wollen, wie
man unter den so erschwerten
Bedingungen
auch heute
noch seinHaus bauen

kann. A. Wiener

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