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WANDA BIBROWICZ
EULEN. KLEINER WANDTEPPICH
DIE WANDTEPPICHE DER WANDA BIBROWICZ*)
Es gehört zu den lustigsten Tatsachen aller
Entwicklungen, daß sie immer wieder auf
Punkte führen, wo sich die Gegensätze kreuzen
und aufheben. Eben noch gilt die „hohe Kunst"
als Luxus und volksfremde Ausschließlichkeit;
da schlägt auch schon wieder das Pendel um
und man verlangt innigste Vereinigung der
praktischen Handwerksarbeit mit höchster Kunst.
Die Revolution, zunächst natürlich ein politisches
und wirtschaftliches Aufbäumender Volksmasse
, erzeugt sofort das Verlangen der Demokratisierung
des Aristokratischsten, was wir
haben, der Kunst, und schon geht man an die
Gründung von Werkstätten wie des Weimarer
Bauhauses, wo man wieder zum mittelalterlichen
Grundsatz der Entwicklung des Künstlerischen
aus dem Handwerklichen zurückgreift.
Die Kluft zwischen Kunst und Kunstgewerbe,
erst in der Neuzeit aufgerissen, scheint sich
schließen zu sollen. Werden nun auch die Er-
*) S. auch unseren Aufsatz im Novemberheft 1915.
Zeugnisse trotz den gesteigerten Herstellungskosten
zum allgemeinen Volksbesitz werden
können? Wird wenigstens das Verhältnis von
Wirtschaftslage und Kunstproduktion zu einem
Ausgleich der Bewertung von Massenartikel
und Kunstwerk führen? Es ist jedenfalls wieder
eine höchst beachtliche Tatsache, daß man
„amtlich" den Gedanken fördert — einen alten,
guten Gedanken der letzten Jahrzehnte —, die
Verelendung des Geschmackes durch Qualitätsarbeit
zu beheben. Und gerade der Rohstoffmangel
dient diesem Übergang von der fabrikmäßigen
Verelendung zur künstlerischen Veredelung
. So schlägt das Entwicklungspendel
hin und her und beschreibt die Kurve der Zeit.
Wandteppiche z. B.: in welchem Hause waren
sie zu finden, wo deckten sie die Öde der Tapeten
, wärmten und erleuchteten die Zimmer?
Sie hingen und hängen in Schlössern und Museen
und manchmal auch in recht begüterten
Familienstuben. In Kunstgeschichten führt der
Gobelin ein vornehmes Dasein in Nebenkapiteln.
Dekorative Kunst. XXIII. II. August i )20
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