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ENTWÜRFE DER MEISZENER PORZELLANMANUFAKTUR FÜR MÜNZEN AUS BÖTTGERSTEINGUT
dasselbe beweist jedoch, daß es nicht als durchaus
geeignet betrachtet werden kann.
Das Papiergeld hat vor allem den Nachteil,
daß es einer außerordentlich raschen Abnutzung
unterliegt. Dadurch wird es nicht allein in der
Anwendung unverhältnismäßig teuer, es bildet
auch, da infolge seiner Saugfähigkeit alle Krankheitserreger
an ihm haften, eine nicht zu unterschätzende
Gefahr in hygienischer Beziehung.
Die vorgeschlagenen Münzen aus Böttger-
steinzeug sind in beiden Hinsichten untadelig.
Die Härte des Böttgersteinzeugs ist so groß,
daß von einer Abnutzung im Verkehr gar keine
Rede sein kann. Die Oberfläche der Münzen
ist matt glänzend und völlig dicht, Schmutz
und Bazillen haften infolgedessen nur sehr
schwer daran und können durch einfaches Waschen
entfernt werden. Die erste Frage bei der
Erwähnung derartiger Münzen ist nun regelmäßig
die nach der Zerbrechlichkeit derselben.
Will man in dieser Hinsicht zu einer gerechten
Beurteilung kommen, so muß man die
Summe aller Umstände abwägen, die zu einer
völligen Zerstörung führen können. Während
das Papiergeld durch Zerreißen oder durch
Verbrennen der Zerstörung in weitestem Maße
ausgesetzt ist, ist eine solche bei diesen Münzen
nur durch absichtlichen Schlag mit einem
harten Werkzeuge oder durch heftiges flaches
Aufwerfen auf Steinboden zu erreichen; gegen
das gewöhnliche Herunterfallen sind dieselben
ganz unempfindlich. Die Münzen sind von beiden
Seiten her schüsseiförmig vertieft; dadurch
wird die Hauptmenge der Masse in den
Rand verlegt und es ergibt sich ein kräftiger
Versteifungsring, der dem Ganzen eine hohe
Festigkeit verleiht. Da das Relief der Münzen
nicht über die Stärke des Randes hervorragt,
gewinnen wir hierdurch zugleich die Möglichkeit
, die Steinzeugmünzen aufeinanderzuschich-
ten und in Rollen zu verpacken.
Die Größe der Steinzeugmünzen ist genau
der der früheren Edelmetallmünzen angepaßt,
bei den größeren Werten auch die Dicke derselben
, bei den kleineren Werten ist diese um
ein geringes größer; dafür ist das Gewicht,
was nicht unwesentlich erscheinen dürfte, beträchtlich
geringer als bei jenen.
Es verbleibt somit noch die Frage nach der
künstlerischen Gestaltungsfähigkeit und zuletzt
die nach der Nachahmungsmöglichkeit derselben.
Man sollte eigentlich meinen, daß beim Papier
die Möglichkeiten in künstlerischer Hinsicht
unerschöpflich seien. Prüft man jedoch die
Papiergeldarten, die in den letzten Jahren erschienen
sind, unter diesem Gesichtspunkte, so
ist die Ernte erschreckend dürftig.
Es mag dieser erstaunliche, aber nicht wegzuleugnende
Umstand vielleicht damit zu erklären
sein, daß hier ein sachfremder Umstand
hineinspielt, der der Nachahmbarkeit. Um der
gar zu leichten Nachahmbarkeit zu entgehen,
Dekorative Kunst. XXIII. n. August 1920
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