Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 42. Band.1920
Seite: 324
(PDF, 108 MB)
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mente, die an sich dem Stempelschnitt gänzlich
fremd sind, und hineingezwungen durch die
maschinelle Verkleinerung zu einer völligen Versumpfung
jeder Formensprache führen mußten.

Von ganz besonderer Bedeutung für die
Münzen ist ferner die Beschriftung derselben.
Abb. S.324 gibt einige Beispiele hierfür und zwar
Nr. 1 bis 6 als Beispiele guter Beschriftung,
Nr. 7 und 8, das neueste deutsche 50-Pfennig-
Stück als Gegenbeispiel.

Die Schrift bietet ein vorzügliches Mittel,
die übrige Münzdarstellung abzuschließen und
zu ergänzen, besonders die antiken Münzen
zeigen hierfür ein äußerst feines Gefühl, aber
auch der Österreicher 15 Kreuzer von 1807 und
der anspruchslose sächsische 4 Pfenniger von
1809 geben einwandfreie Leistungen. Wie man
aber die Schrift verwenden mag, eins wird sie ungestraft
nie verleugnen dürfen, daß sie mit dem
Grabstichel ins Negativ geschnitten worden ist.

Die Wirkung des in Nr. 7 und 8 abgebildeten
neuen 50-Pfennig-Stückes ist ganz auf die Schrift
gestellt; dagegen ist an sich nichts einzuwenden,
aber so wie die Münze daliegt, haben wir darauf
eine mit breitester Rohrfeder geschriebene und
auf irgendeine geheimnisvolle Weise aufgequollene
Schrift vor uns, statt einer mit dem Grabstichel
geschnittenen. Der grundlegende Unterschied
zwischen Schreib- bzw. Druckschrift und
Prägeschrift ist völlig verkannt und wie ein
solcher Grundfehler meist weitere nach sich
zieht, sind auch die Einzelformen mißglückt,

da das enge Rund der Münze selbstverständlich
nicht den Raum bot, der für die weite Ausladung
, wie sie eine Frakturschrift fordert, nötig
ist. Der ja sehr beherzigenswerte Spruch schneidet
das Bildfeld der Rückseite völlig entzwei und
bringt das an sich schon kraftlose Ährenbündel
um die letzte Spur von Wirkung. Auch die
Vorderseite mit nicht weniger als vier verschiedenen
Schriftgrößen wirkt höchst ungeschickt,
die ganze Münze muß leider geradezu als Schulbeispiel
für Armseligkeit der Erfindung und die
Unkultur unserer Zeit angesprochen werden.

Bei den von der Staatlichen Porzellan-Manufaktur
Meißen vorgelegten, von Paul Börner
entworfenen Münzen aus Böttgersteinzeug ist
versucht, die im vorstehenden gekennzeichneten
Klippen zu vermeiden; selbstverständlich treten
dieselben nicht mit dem Ansprüche auf, als etwas
Abgeschlossenes zu gelten, es sind Probestücke,
die in mancher Hinsicht der Weiterentwicklung
bedürfen. Immerhin glauben wir, die Möglichkeit
künstlerischen Schaffens dargetan zu haben
und zwar auf einem Gebiet von höchster kultureller
Bedeutung, das zurzeit in sträflichster
Weise vernachlässigt wird. Keine zweite Kunstäußerung
unterliegt einer derartigen Verbreitung
und übt damit einen so weitgehenden Einfluß
aus wie das Geld, wechselweise ist es geradezu
als Wertmesser der Kultur eines Volkes anzusprechen
. Betrachtet man unser derzeitiges Geld
unter diesem Gesichtswinkel, so möchte man
allerdings vor Scham und Schmerz vergehen.

Max Adolf Pfeiffer

i

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