http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_42_1920/0387
KARL BERTSCH-MÜNCHEN
EMPFANGSZIMMER
Ausführung: Deutsche Werkstätten A.-G., Hellerau und München
stermöbeln, gleich dem in aller Schlichtheit sehr
durchgearbeiteten Speisezimmer, ein typischer
Vertreter des Stiles, in dem sich die von neueren
Historikern besonders hervorgehobene gewisse
weltbürgerliche Geschmeidigkeit und würdevolle
Eleganz doch auch nicht verkennen lassen.
Ähnliches gilt von dem Schlafzimmer, demjenigen
Räume der bürgerlichen Wohnung, der
den Launen der Mode und den Wechselfällen
der wirtschaftlichen Lage ihres Besitzers am
wenigsten ausgesetzt ist. Der Grad solider
Vornehmheit, den die gutausgewogene Schöpfung
des Münchner Meisters trägt, wird Laien
ein mühelos zu erreichendes Ziel scheinen. Wer
aber in den Fragen der Innenkunst ein wenig
zu Hause ist, begreift, daß es Selbstverständlichkeiten
hier am allerwenigsten geben kann;
jede Einzelheit ist in dem geschmacklichen
System des Erfinders selbständig ersonnen und
eingefügt. Hingewiesen sei noch auf eine Kredenz,
die neben einer blumenhaft sich aufschnellenden
Stehlampe, beides Arbeiten von A. Niemeyer, und
einem Lehnstuhl von Lucian Bernhard den Ansatz
zur Innentreppe im Ausstellungshaus ziert
(S. 345), auf die kokette kleine Kommode von
Else Wenz-Vietor, die sich, in allen Farben, von
343
47*
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_42_1920/0387