Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 42. Band.1920
Seite: 348
(PDF, 108 MB)
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strahlendem Gelb bis zum Tomatenrot und
Grasgrün, Freunde gewonnen hat, auf Stücke,
wie das in geräucherter Eiche gebildete, sehr
zierliche Klapptischchen von A. Niemeyer, mit
einem kaum angedeuteten englischen Akzent
doch ein ehrlicher Dolmetsch der Empfindungen,
die ein süddeutscher Handwerksmeister in gedrehtes
Holz zu prägen die Lust verspürt.

Der Reichtum sinnvoll gearbeiteten Hausgerätes
, den die Deutschen Werkstätten in ihren
neuen Schauräumen vor uns ausbreiten, ist mit
dieser kurzen Übersicht nicht erschöpft. In Ton
und Glas, in Messing, Kupfer, Seide und edlem
Gespinst liegt da noch vielerlei Erfreuliches und
Begehrenswertes. Die Hände, die nach diesen
schönen Dingen greifen, sind in dem warmen
und fruchtbaren Sommer 1920 nicht eben zahlreich
. Wir wissen, daß nach dem glänzenden
Ergebnis der letzten Leipziger Messe das deutsche
Kunsthandwerk mit seiner langsam wieder
erstarkenden großen Schwester, der Industrie,

aus Frankfurt hat hungrig heimkehren müssen.
Die Gründe hierfür mögen Politiker und Volkswirte
darlegen. Daß diese Senkung der Kurve
noch lange kein Abreißen des Fadens mit sich
bringen kann, dafür mehren sich jetzt die Anzeichen
; die geschwächte Kaufkraft beginnt
schon, sich zu erholen, und wenn erst die Preise
des täglichen Lebensbedarfs zu sinken anfangen,
werden auch die Schöpfungen des künstlerischen
Luxus wieder in die Reihe der mehr als bloß
entbehrlichen Besitzstücke einrücken. Die neue
Generation, die jetzt ihr Heim baut und schmückt,
findet eine Werkkunst, die von den Gewittern des
Weltkriegs fast unversehrt, zu geruhsamem und
genügsamem Schaffen ausholen kann, die auf einer
zuverlässigen Tradition ruht und tüchtige Meister
, lebendige Köpfe zu ihren Helfern hat. Die
Gesinnung ihrer Erzeugnisse anzutasten, wäre
eine Lästerung, sie umzustürzen, ein Verbrechen
, ehe nicht die Pfeiler eines neuen sittlichen
Tempels gegründet sind. E. Haenel

AUS DEN VERKAUFSRÄUMEN DER DEUTSCHEN WERKSTÄTTEN A.-G., DRESDEN
(KLAPPTISCH VON A. NIEMEYER-MÜNCHEN)

Verantwortlicher Schriftleiter: P. KIRCHGRABER, München. — Druck und Verlag: F. BRUCKMANN A.G., München

Copyright 2. September 1920 by F. Bruckmann A.-G., München


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