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LUDWIG VON HERTERICH
unwirklich, der duftig gemalte Schimmel steht,
darauf als feste Vertikale die halb trotzige,
halb verträumte Gestalt des heiligen Ritters —
das ist in zarte Stimmung getaucht: ganz von
Musik getragen ist das Bild. Als ein Dokument
der impressionistischen Stimmungsmalerei, interessant
und merkwürdig besonders in seiner
Mischung der aus der älteren Münchner Malerei
haftengebliebenen romantischen Elemente mit
den rein malerischen Motiven, hatte es den bevorzugten
Platz, der ihm einst in der Münchner
Pinakothek eingeräumt war, wohl verdient:
unbegreiflicherweise hat man es bei der Neuordnung
abgehängt und einstweilen in das Depot
versetzt. Mag sein, daß dabei ähnliche Ge-
WEI BLICH ER STUDIENKOPF
Sichtspunkte der Beurteilung — nicht Herte-
richs, sondern der ganzen Entwicklungsperiode
der Münchner Malerei, in die das Bild gehört —
mitsprachen, wie sie gelegentlich der großen
Kollektivausstellung von Herterichs Werk, im
Frühjahr 1920 von der Galerie Heinemann in
München veranstaltet, geäußert wurden. Damals
hörte man die Äußerung, der sogenannte
„Secessionismus", die „Übertragung dekorativen
Ausdrucks in ursprünglich noch malerisch empfundene
Bilder", habe das „Aufgeben der freien,
in rein malerischer Spannung erreichten Lebensfülle
" bedeutet, er sei nicht Bereicherung, sondern
Mißverständnis und Verzicht gewesen. Zugegeben
: die geschlossene, runde Fülle der Diez-
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