http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_43_1921/0083
otto wirsching geburtsanzeige. holzschnitt
schon erwähnte zweite und dritte Fassung der
„Susanne",Bilder,die es tatsächlich fertigbringen,
dieses vielleicht am häuf igsten gemalte aller traditionellen
Motive in einer neuen farbigen und formalen
Gestaltung erscheinen zu lassen. Es folgen
dann die dreiteilige „Siesta", ein Bild von schönster
Ausgeglichenheit der
Komposition und des Kolorits
, in dem südliche Erinnerungen
Gestalt gewonnen
haben dürften, die üppige
Phantasie „Tausendundeine
Nacht", die eines der
reichsten und vor allem in
farbiger Beziehung wohl
auch eines der schönsten Bilder
Wirschings ist, und das
stolzeBildnis derFrau (Aran-
ka) des Künstlers, in dem die
ganze Fülle des Lebens und
seiner Glücksmöglichkeiten
in breiten Wellen dahin-
strömt. (Porträts hat Wir-
sching auch sonst gemalt,
und es ist kein uninteres-
otto wirsching
santes darunter.) In diesen Bildern und in den beiden
Fassungen des „Festes", die diesen Begriff mit
einer nicht an eine Zeit und nicht an einen Stil gebundenen
Phantastik illustrieren, darf man vielleicht
den Gipfel der Kunst Wirschings erkennen,
die sich dann 1918, nicht allzulange vor dem
Ende, noch einmal in einem
Werk zeitlos-großen Stils,
in der „Dämmerung", geoffenbart
hat. Es gibt keine
authentische Deutung dieses
wundervollen Werkes.
Aber es ist ganz unzweifelhaft
, daß es Todesahnungen
tiefsinnig sinnlich zugestal-
ten und damit vielleicht auch
bis zu einem gewissen Grade
zubannen sucht. Eineköstliche
Arbeit, wenn auch etwas
leichteren Gewichts, sind
die mit ganz altväterlicher
Naivität geschauten „Lebensalter
", ein von Gott-
geburtsanzeige fried Keller-Stimmung um-
holztschnitt □ schmeicheltes Bild von so
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