Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 43. Band.1921
Seite: 87
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MAX SLEVOGT

NELKEN

und Pracht in einem großen Sack zu sammeln.
Verwandelt, zu neuen Formen geballt, kommen
sie nun wieder zum Vorschein. Unendlich reich,
unendlich bunt, unendlich bewegt. Der innere
Garten ist das Reich des phantasierenden Slevogt,
des Märchenerzählers, des Traumbildners, des
lustigen, lieben Herrn Max Rübezahl in tausend
Gestalten.

Wo Überfülle ist, kann man nicht weit ausfahren
, oder man müßte sein wie Gott Michelangelo
. Überfülle verlangt nach raschem Mittel,
rascher Hand. Überfülle auch in der Stärke
des Fühlens. So greift Slevogt nach dem
Stift und dem Tuschkasten. So in raschem
Zug, schüttelt er innere Vorstellungen aus ohne
Ende, so wird er zum Illustrator von unbedingter
Geltung.

Wo Slevogt einen Punkt gibt, ist doch die

übrige Welt gegenwärtig. Der wahre Graphiker
gibt größte Menge mit kleinstem Mittel. Und
Slevogts Phantasiewelt ist zauberhaft leicht und
heiter. Sie ist unschuldig, und, wenn sie sich
noch so gruselig anläßt, sie hat keine Krallen.

Slevogt kann Karl May veredeln. Da ist eine
Reihe von Tuschzeichnungen entstanden. Szenen
eines Weltfahrers. In diesen Bildern leuchten
die Tropen, brennt heißeste Sonne, wimmelt es
von schwarzen, roten und gelben Menschen.
Es ist darin gegenständliches Erleben von
solcher Vielfältigkeit, daß man lachen muß vor
Vergnügen. Sollte ich sagen, warum der Phantast
in Slevogt etwas so Befreiendes hat, so würde ich
es wiederum der Unerschöpflichkeit zuschieben.
Man spürt Leben, viel .Leben. Man spürt
Schwung, Freude, Heiterkeit. Jeder kann es
brauchen. Man liebt die sprudelnde Quelle.

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