Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 43. Band.1921
Seite: 205
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MAX LI EBERMANN

POLOSPIELER (1912)

Franzosen blieb ihm fremd; auch das Gemütliche
der Maris und des Mauve. Er schuf ein
gesteigertes Berliner See, das von der äußersten
Klugheit der Augen und des Intellekts in der
Höhe der Wirkung erhalten wurde. Aber er
hatte wahrlich recht, wenn er für diese Leistung
den Titel der künstlerischen Abstraktion in Anspruch
nahm. Wohl sagt er, letzten Endes sei
jeder Maler Porträtmaler. Seine Dialektik, die
alles beherrscht, und seine Kunst, die mehr umfaßt
, als die Oberflächlichen und Absprechenden
sehen, fügen ohne Widerspruch hinzu: Natur
sei,,immer nur Kanevas für ein Bild". Die eigentliche
Textur, die dichtere, wird von der Kunst
in die Quadrate des Stramins gestickt, der Natur
genannt ist. Ausführung wird von Liebermann
als künstlerische Erfindung, Technik als eine Angelegenheit
der Phantasie begriffen und gehandhabt
. Er will die Natur. Er will sie mit einem
Radikalismus für das gegenwärtige Tatsächliche,
für die prompte Wirklichkeit, der seinesgleichen
sucht. Aber er haßt zugleich die Schwere des
Objekts und erregt sich an Degas, der nichts
Positives, nur Suggestives gegeben habe.

Dies etwa sind die Standorte, von denen
Liebermanns Kunst zu begreifen wäre. Auf
engere Art ihr genugtun wollen, heißt ihr zu
wenig tun. In Strichen gespannt, in Kommata
organisch, in Partikeln von Kurven erfinderisch
zu sein, das Naturalistische aber nur als eine
Hilfe der Spannung, des Organischen und jenes
zeichnerischen Getümmels zu nehmen, das er
als eine Sache der Phantasie begreift — dies
ist der offenbare Vorzug seiner Graphik; wie
es die Mitgift seiner ganzen Kunst ist, die in
einem graphischen Oeuvre von großem Umfang
und hoher Qualität noch einmal sich selbst
gegenübertritt. Noch einmal - - als ein neues
Beispiel jener „unendlichen Kunst", die Liebermann
dem witzigen, kaustischen, wahren,
dem wissenden und könnenden Menzel verehrend
nachrühmte.

Beruft er sich auf die Notwendigkeit sinnlicher
Anschauung der Natur für alle bildende
Kunst, und ist da ein Kreuzweg, an dem die
Reise derer von Kubin bis Klee von der seinen
sich trennt, so wird er wohl der letzte sein,
zu leugnen, daß Generationen ihre Rechte und

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