http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_43_1921/0255
FRITZ RHEIN
BILDNIS MAX VON SCHILLINGS
häuser, Jahrmärkte und Feste, zu denen das
Volk in seiner Landestracht herbeiströmt —
das alles zog Rhein unwiderstehlich in seinen
Bann. Eine heimliche Neigung zur Romantik
hätte ihn leicht in den Fehler verfallen lassen
können, nach der Art etwa eines Bürkel, Vautier
oder Defregger Geschichten zu erzählen, aber
er widerstand der Versuchung. Alles, was Rhein
sah und erlebte, setzte sich bei ihm in rein malerische
Werte um. Ähnlich wie bei Liebermann,
der ungefähr zur selben Zeit in Nordwyk die
Art des Volkes und der Landschaft studierte.
Mit einem reichen Schatz von Studien und Bildern
kam Rhein aus Holland wieder, doch hatte
er dieses gesegnete Land noch nicht verlassen,
als schon der Entschluß bei ihm feststand, sobald
als möglich dorthin zurückzukehren. Der
Maler hat dann in der Folge zahlreiche Reisen
nach den Niederlanden gemacht, und jede hat
ihm neuen Gewinn eingetragen.
Kurz nach Ausbruch des Weltkrieges kam
Rhein nach Lothringen und machte dort einen
Teil des Krieges mit. Im Laufe vieler Monate
fand er reiche Gelegenheit, das Soldatenleben
im Freien als Maler zu studieren. Auch außerhalb
des Dienstes fehlte es nicht an künstlerischen
Anregungen, ja sie ließen ihm keinen
Augenblick Ruhe. Eine kahle Ebene mit einem
einsamen Baum, auf dem ein Rabe krächzte,
ein Reiter auf der Landstraße, die sich in Windungen
über einen Hügel hinzog, genügten,
seine künstlerische Vorstellung zu erregen. Die
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_43_1921/0255