http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_43_1921/0268
C. EBBINGHAUS
SIMSON UND DALILA. STANDUHR
H (KLEINBRONZE VERGOLDET) B
Deshalb sind selbständige, aus erklärenden
Zusammenhängen gelöste Darstellungen von
Dingen, für deren Maßstab dem Beschauer eine
zwingende Vorstellung fehlt (etwa fremdartiger,
unbekannter Tiere, halberwachsener Menschen
und ähnlicher unbestimmter Größen) meistens
irgendwie unbefriedigend, gewissermaßen „unbehaglich
" in ihrer Wirkung als Kunstwerk.
Deshalb wirken lebensgroße Menschendarstellungen
, sofern sie nicht in einem festeren
oder loseren architektonischen Rahmen erscheinen
, welcher die Wirkung des Lebensgroßen
paralysiert, unerfreulich; — deshalb wirken insbesondere
lebensgroße Porträts, in einem normalen
„bürgerlichen" Wohnraum aufgestellt, in
welchem ihre gesamte Umgebung nichts anderes
ist als Maßstab der „Lebensgröße", oft geradezu
peinlich — am peinlichsten, wenn der Dargestellte
selbst mit und neben seinem gleich großen
Bildwerk lebt und erscheint.
Diese einfachen Erkenntnisse sind ebenso
wichtig, wie selten vorhanden, — wenn auch
mitunter gefühlsmäßig geahnt, — und es wurde
deshalb bei dieser Gelegenheit versucht, sie zu
begründen.
C. Ebbinghaus
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_43_1921/0268