Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 43. Band.1921
Seite: 241
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JOSEPH ANTON KOCH

KLOSTER S.FRANCESCO DI CIVITELLA

Von den Höhen der Berner Alpen mag Koch
manchmal sehnsüchtig nach Süden hinuntergeblickt
haben, nach Italien, in das gelobte
Land der Kunst. Seine Sehnsucht verlangte dorthin
. Verbindungen hatte er angeknüpft, endlich
rief ihn im Spätjahr 1794 ein Brief seines
Freundes Dr. Nott nach Neapel. Um Weihnachten
machte er sich von Neuchätel aus auf
den Weg. Über den Gotthard, wo es schneidend
kalt war, ging es, natürlich stets zu Fuß,
über Mailand, Bologna, Florenz und Rom nach
Neapel. Salerno und Pästum wurden besucht,
dann hielt Koch nichts mehr in der Stadt am
Golf, vom Vesuv überragt. Hackert, der Goethegefeierte
, zog ihn nicht an; es scheint, daß er
mit dem einflußreichen Künstler, der damals
in Neapel sozusagen „residierte", nicht einmal
in Berührung kam.

Rom zog ihn mehr, es lockte ihn. Er hatte
dort auf dem Wege nach Neapel eben so viel
gesehen, um von heißer Sehnsucht ergriffen zu
werden nach tieferem und reicherem Genuß.
Das Romfieber der deutschen Künstler befiel
ihn. Eine Stimmung umfing ihn, die jener entspricht
, der der schwäbische Maler Gottlieb
Schick in einem Briefe an seine Geschwister
Ausdruck gibt: „In Rom ist ewiger Mai."

Im Frühjahr 1795 kam er in die ewige Stadt
und blieb, abgesehen von einem Aufenthalt in
Wien (Juni 1812 bis Oktober 1815), bis an sein
Lebensende dort, unersättlich im Genüsse dieser
Stadt. Es erging ihm mit ihr, wie es Goethe
erging : „Wie man die See immer tiefer findet,
je weiter man hineingeht, so geht es mir mit
der Betrachtung dieser Stadt." Rom wurde
Kochs zweite Heimat, sein anderes Vaterland.

In Rom schloß sich J. A. Koch an Carstens an,
den herben Schleswiger. Den landschaftlichen
Menschen aus dem deutschen Süden fesselte
die kühne Darstellung des schönen nackten
Menschenleibes, wie sie dieser Nordländer in
seinen monumental komponierten Aktzeichnungen
gab. Vor Michelangelo sanken beide ins
Knie. Stundenlang standen sie in der Sixtini-
schen Kapelle oder vor dem Moses. Daneben
tat sich Koch auch in der Campagna um. Er
zeichnete vor der Landschaft. Die Cestius-Py-
ramide mit dem wundervoll zarten Blick auf
Rom ist vor der Natur entstanden. Mit Reinhart
und anderen zusammen zeichnete er im
Winter 1796—97 nach dem lebenden Modell.
Jaffe, der Biograph Kochs, hat die Liste der
Teilnehmer an dieser Akademie beigebracht;
man kann daraus erkennen, wie groß die Schar

Die Kunst für Alle. XXXVi.

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