Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 43. Band.1921
Seite: 283
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ROBERT ENGELS

AUS HEBBELS NOVELLE „DER RUBIN"

Dore — in die schöne Welt der Sichtbarkeit
hinaus. Doch in der Tiefe ist es eines. Ob man
von der reinen Linie einer Melodie Mozarts
oder Bruckners spricht oder einer klingenden
Kontur bei Engels: beides ist im Grundgefühl
dasselbe. Und darum, weil bei Engels der
Klang der Welt schwingt und nicht der Schein
des Heute, die Zufälligkeit der, wenn auch noch
so schönen Einzelheit wiederholt wird, gehört
er in die Reihe von denen, deren Werk seinen
Sinn bekommt im Angesichte der Ewigkeit.
Das soll nun keine Phrase und Apotheose sein,
sondern lediglich ein philosophischer Ausdruck.
Man wird ihn sich bei einer stillen Betrachtung
der Blätter des Künstlers als solchen bestätigen
müssen. Vor allem, wenn man einmal
herausgefunden hat, wie vieldeutig die Zeichnungen
Engels sind, rein formal angesehen. Es
ist hier wieder das musikalische Gefühl. Und
derselbe Unterschied zwischen gegenständlichem
Schein und irrationaler Form, wie der zwischen
Programmusik und der absoluten Musik echter
Meister. Programmusik soll etwas Bestimmtes
aussagen und bedeuten. Absolute Musik
dagegen nichts — oder alles. Genau so klingen
in den Linien Engels unendlich viele Gefühle.
Ein Licht, etwa ein Umriß, der Klang einer
Bewegung, — gewiß, sie drücken auch stets eben
das bestimmte Gefühl dieser Bewegung, dieses
Lichtes, dieses Umrisses aus. Aber das ist mir
das erste, das Handwerk sozusagen. Über solche
gegenständlich begründeten Einzelgedanken hinaus
klingen aber die Formen, die Engels zeichnet
, ins All. Sie sagen in jedem Augenblick
etwas Neues und Besonderes, genau wie eine
Melodie in der absoluten Musik je nach der
Stimmung des Hörers bald dieses, bald jenes
auszudrücken vermag. Eine stete Lebendigkeit
ist so in den künstlerischen Formen bei Engels,
eine unendliche Aufnahme- und Resonanzfäbig-
keit: eine und dieselbe Form faßt tausendundeinen
Gegenstand, führt in Höhe und Tiefe,
ist nie an den diesseitigen gegenständlichen
Inhalt gebunden. Jede Form ist also derart
in die Tiefe des künstlerischen Urfühlens verankert
, daß sie losgelöst von dem jeweiligen

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