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HANS MEID
DAS LIED. RADIERUNG ZU LENAUS FAUST
frühen Zeit zu sehen, die zu den schönsten
Schöpfungen der deutschen Kunst des 19. Jahrhunderts
gehören. Schlagfertig im Ausdruck,
kühn in der Phantasie; oft wahrhaft dichterisch
fabuliert und demonstriert die Feder zugleich
.
Die wahrhaft treibenden Kräfte liegen auf
dem Felde des Holzschnitts. Der Impressionismus
mit der geistvollen Kürze im Ausdruck
und der freibewegten Handschrift hatte sich
mit dem kernig männlichen Geist dieser spezifisch
deutschen Art nie recht befreunden können
. Japan blieb ein technisches Raffinement
für unser graphisches Gefühl. Erst die Expressionisten
haben im Holzschnitt ihren starken
Willen, Form und Inhalt 'frei werden lassen.
Und ihre große Kühnheit und Einfachheit haben
Talente, die in technischen Griffen sich
spielerisch zu verlieren drohten, zur Besinnung
und Festigung gebracht. Besonders hat Walter
Klemm seinem Können durch die Anregung
der Jüngsten männliche Sicherheit verliehen.
Die Tonplatten sind gefallen, die dem Holzschnitt
ein bildmäßig nivellierendes Gepräge
verliehen, sind den starken dekorativen Gegensätzen
gewichen, die die Form zugleich ohne
Umwege in den monumentalen Flächenzusammenhang
einbinden. Auch als Illustration gewinnt
in Klemms Blättern der Holzschnitt wieder
eine engere Beziehung zum festen Typensatz
. Hier fühlt man wie bei Barlach eine
schöne Renaissance des alten deutschen Buches.
Es ist zwar schon früher von Barlösius und
anderen in der ornamentalen Spielerei des Jugendstiles
als Vorbild gepflegt worden; allein
es blieb Spielerei. Erst jetzt, da der Ton großpathetischer
, wie bei Barlach, genommen wird,
ist die Form der starken Holzschnittlinie mehr
als Ornament. Barlach, der in der Lithographiekreide
schon die erdenschwere Form seiner
Menschen mit großen Zügen modelliert hatte,
macht sich in der Holzschnittlinie völlig frei
vom plastischen Vorbild und gewinnt mit dem
Flächenzwang der großgeführten Holzschnittlinie
, die befreit ist von jeden modellierenden
Nuancen, eine Form, die seinem Holz als Bild-
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