Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 43. Band.1921
Seite: 319
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PAUL WEHRLE-TRIBERG

Art sollen geschaffen werden. Sie werden der
polar reindichterische Ausschlag des Pendels
seines derzeitig vorwiegend noch naturverdichtenden
Schaffens sein. Zyklisch ausgestaltete
Landschaften erdichteter Art sind zu erwarten,
die alle Ausdrucksmöglichkeiten an Stimmungsgehalt
erschöpfen werden. „Gethsemane" ist
schon ein Beispiel dafür, wie die Schwarzwaldwelt
sich zur orientalischen Fernwelt und, ins
Mystische erweitert, die Szene für ein ungeheures
Erleben und Geschehen bildet: rechts
vorn die in schwerem Schlaf befangenen Jünger,
die der schlank aufstrebende Essigbaum mit
der Überwelt verbindet, hinten die bleich und
schemenhaft verdämmernde Stadt Jerusalem;
links vorn aber der von Weh und Angst durchschüttelte
und hingeworfene Menschensohn:
alles in unbestimmtes Zwielicht getaucht und
doch schon die sichere Hoffnung auf den lichten
, erlösenden Gnadenstrahl von oben — ein
Geflecht von wundersamen, geheimnisvollen Beziehungen
formaler und farbiger Art, wie es
sich auch auf anderen Tafeln von Wehrle findet,
wie denn die Unendlichkeitsstimmung mit unwiderstehlicher
Eindrucksstärke durch seine Bilder
geht.

DER SCHAFBERG

Wehries Werke sind naturgemäß Fernbilder
und nicht auf einen reizvoll durchblümten Vordergrund
oder auf einen effektvollen Ausschnitt
oder Durchblick geschaut und gearbeitet und
zum Raum erweitert. Des Künstlers Seele
sammelt vielmehr auf den Studiengängen ohne
Malkasten und Skizzenbücher, wie im Brennpunkt
eines Hohlspiegels, den Raum, die Hänge,
Täler, Gipfel und Fernen, die Lüfte und Lichter
mit weitem Blick und projiziert sie dann selbstschöpferisch
geordnet und geprägt als Raum-
und Farbeindrücke und in den Ausdrucksmitteln
seiner Kunst vergeistigt wieder in sein
Bild. Er schält den geistigen Lebenskern der
Landschaft aus den seelenlosen Außenformen
der Wirklichkeit. Er liebt dann, den Beschauer
gewissermaßen in sanftem Anlauf über einen
meist ebenen oder mäßig ansteigenden Vordergrund
hinwegblicken zu lassen und ihn an
Wald- und Bergkulissen vorbei in die Tiefe
zu führen, die er zauberhaft und mit feinster
farbiger Empfindung abstuft und aufbaut. Erstaunlich
ist es, welch einen ungeheuer weiten
und tiefen Raum der Künstler in seine Tafeln
zu fassen weiß, die in der Größe die angenehmen
Formate der Kabinettstücke einhalten.

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