Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 43. Band.1921
Seite: 345
(PDF, 71 MB)
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_43_1921/0401
theodor georgii □ medaille zum 70. geburtstag von adolf von hildebrand

großen Maßstab unangenehm. Man wird dann,
um durch Nichtausführung der unangenehmen
Stellen diese nicht in Erscheinung treten zu
lassen, gezwungen, mit der Arbeit aufzuhören,
wenn noch nicht das Letzte gesagt ist.

Und weil die produktive Kraft doch nie in
solcher Fülle da ist, wie man wünschen würde,
so sollte nur das Versiegen dieser Kraft und
nicht ein äußerer Mangel der Grund zum Aufhören
an der Arbeit sein.

Die Entwicklung im Stein schreitet jetzt
vorwärts, die vorderen Formen werden runder,
wirklicher, tiefer liegende treten in Erscheinung
. Die Reihenfolge
der Durchbildung ergibt
sich als Zwang ganz von
selbst. Eine im Verhältnis
zu weit durchgeführte
Form fällt unangenehm
auf, vor allem
jede Form, die um ihrer
selbst willen, d. h. nicht
aus Rücksicht auf die
Gesamtheit der Erscheinung
gestaltet wird. Man
kann auch kein lebendes
Modell brauchen, denn
dessen Formen überzeugen
unbedingt als organischer
natürlicher Zusammenhang
, hier dagegen
müssen sich die Einzelformen
aus der Ge-
samterfindung ergeben
und durch den künstlerischen
Zusammenhang
(verbunden mit organischer
Möglichkeit) überzeugen
. Darum wird man
zwar die Möglichkeiten Theodor georgii

der Natur beobachten, ihre Formen aber nie
unmittelbar verwenden.

Jeder Zustand der Steinarbeit muß eine
Steigerung des vorhergehenden sein. Nur bei
größter Konzentration und wirklich produktiver
Arbeit ist das zu erreichen. Denn der
frühere Zustand ließ noch mehr Möglichkeiten
ahnen, der spätere muß mit überzeugender
Form diese reizvollen Andeutungen ersetzen;
das Nebeneinander von durchgebildeter Form
und roher Steinmasse wird seltener, die Wirkung
muß in jeder Beleuchtung überzeugen.
Bei der künstlerischen Steigerung des Werkes

ist die Vorstellung, immer
neu erlebt und ungehemmt
durch unharmonische
Stadien, frisch
wie bei Beginn der Arbeit
, der sicherste Führer
. In der Zeit, in der
sie sich nicht einfindet,
seien es auch Wochen
oder Monate, ruht die
Arbeit.

Und wenn die Vorstellung
nicht bis zum
Ende reicht, wenn die
Kraft versiegt?

Beim freien Gestalten
im Stein kann der
Künstler jederzeit aufhören
und steht doch
einem Werk gegenüber,
das rein die Vorstellung
widerspiegelt, und bei
dem nicht seelenloses
Können Gottes Geschenk
entweiht hat.
April 1921
plakette Theodor Georgii

Die Kunst für Alle. XXXVI

345

44


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_43_1921/0401