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des jüngeren Meisters mögen die ausschlaggebenden
Gründe gewesen sein. Die frischere
Kraft und die modernere Gesinnung, trotz der
geringen Zeitdifferenz, sind auch in den Räumen
deutlich erkennbar, obwohl die ausführenden
Handwerker die gleichen geblieben sind. Dieser
wichtige Umstand darf nicht übersehen werden.
Es sind einheimische Handwerker, Handwerker
von Gottes Gnaden möchte man sie nennen
diese Kistler und Bildhauer Adam Pichler, Joachim
Dietrich, Wenzeslaus Miroffsky,der Stukka-
tor Johann Baptist Zimmermann, die hier unter
Oberleitung der Architekten tätig waren, Künstler
, die an anderen Orten, vor allem in altbayerischen
Kirchen auch selbstschöpferisch
tätig waren. Trotz der Bestimmung, daß „alles
nach verfaßtem Riß und nach Anordnung des
Baumeisters zu schnitzen" sei, darf man annehmen
, daß in den Panneaux, in den Stukkaturen
nicht eine sklavische Wiedergabe vorgeschriebener
Gedanken des Architekten gegeben
ist. Wahrscheinlicher ist, daß es sich um eine
getreue Interpretation mehr im allgemeinen vorgezeichneter
Erfindungen handelt, die gelegentlich
auch eine Variation erlaubte. Und diese
kleinen Abweichungen von der Regel, für die
gerade die Fülle ornamentaler Gedanken Raum
bot, bestimmen schließlich doch das Gesamtbild.
Die Hauptkennzeichen der Effnerschen Zimmer
gegenüber den späteren Räumen Cuvillies
liegen in der größeren Einfachheit,Gebundenheit,
Strenge. Die Horizontalgliederung (durch Lam-
brissockel und Hohlkehle) ist in den ersten
Räumen klar durchgeführt, in ruhigem Gleichmaß
zu den Spiegelfeldern und Panneelen.
Aus Symmetriegründen sind den eigentlichen
Türen entsprechende Blendtüren angebracht,
die Öfen von Antonio Chanovese und Härtel
RESIDENZ-MUSEUM, MÜNCHEN REICHE ZIMMER: KOMMODE IM SALON (s. Abb. S. 3)
Phot. Riehn & Tietze, München
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