Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 44. Band.1921
Seite: 51
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ARCH. H. STRAUMER-BERLIN

LANDHAUS DES MALERS ROB. F. K. SCHOLTZ-GRUNEWALD: ATELIER

der Waren (Schmelzarbeiten Wiener Abkunft,
aber in provinzialer Umbildung, expressionistische
Tapeten, Schnitzarbeiten, dekorative Malereien)
werden die Mittel gewonnen zu vielfachen Versuchen
und Vorarbeiten und zur Entwicklung der
Werkstattbetriebe. Mit ähnlichem Erfolg tritt
die Textilklasse Ernst Aufseesers in Düsseldorf
auf. Mit seinen gewebten Mustern und Zeichnungen
konnte Aufseeser, selbst unter den ungünstigen
Verhältnissen der diesjährigen Messe,
soviel Aufträge für seine Schüler einheimsen, daß
sie mit ihrer Ausführung ein halbes Jahr lang
beschäftigt werden. Noch größer ist der Erfolg
der Staatlichen Kunstschule für Textilindustrie in
Plauen, deren verdienstvoller Leiter Albert Forkel
unter Zugrundelegen der neuen Musterung, die
die Fadenbindungen der Margaretenspitze von
Fräulein Naumann ermöglicht, für die Maschinenspitze
ein ganz neues Genre geschaffen hat. Eine
Anzahl Plauener Fabrikanten und Künstler arbeiten
in der SpitzenkünstlergruppePlauen zusammen,
und die neuen Spitzen, die sie in der Meßausstellung
des Leipziger Kunstgewerbe-Museums zur
Schau stellen konnten, haben das größte Aufsehen
erregt und beginnen in der Konfektion hochwertiger
Toiletten eine Rolle zu spielen.

Ohne Zweifel ist es ein fruchtbarer Gedanke
gewesen, daß man zur Aufmunterung der Entwurfs
- und Modellmesse das junge Blut der
Schulen und die vorwärtsstrebenden Kräfte ihrer
Leiter herangezogen hat. Wenn erst Berlin, das
bereits seine Beteiligung in Aussicht gestellt hat,

München und Wien mit stärkerem Aufgebot, als
es den provinzialen Anstalten zu Gebote steht,
auftreten, wird der befruchtende Segen für Industrie
und Gewerbe erst recht aufgehen. Der Wettbewerb
wird die Anstrengungen spornen und das
Ergebnis wird eine allgemeine Hebung des künstlerischen
Niveaus sein, also gerade das, was wir
so dringend nötig haben.

Die Beteiligung der freien Künstler an der
Entwurfs- und Modellmesse könnte stärker sein.
Je nachdem die Lokalausschüsse für die Sache
wirken, fällt die Beteiligung aus. Die stark gesiebten
Eingänge lassen eine gewisse Einheitlichkeit
der künstlerischen Tendenz unschwer erkennen.
Alle papierne Kunst: Entwürfe für Tapeten, Stoffe,
Buchschmuck, Werbekunst usw., ist entschieden
expressionistisch gerichtet, während unter den
wenigen plastischen Eingängen nur das Spielzeug
expressionistischen Zeitgeist atmet. Jedenfalls
sind alle Banalitäten und routinierten Blender
ausgeschieden. So braucht der Fabrikant, der nach
neuen Entwürfen sucht, nicht mehr im unklaren
zu sein über die Richtung, die er ergreifen soll.
Die ist ihm gegeben, und da das Publikum nimmt,
was man ihm bietet, sofern man ihm keine andere
Wahl läßt, ist das Risiko für den Fabrikanten, der
das Neue wagt, nicht allzu groß.

Die Entwurfs- und Modellmesse ist ein Kind
des Meßamtes, an dem es, wenn es ihm auch
unterschoben wurde, seine helle Freude haben
kann. Denn das Meßamt leistet dadurch, daß es
sich das Gedeihen seines Lieblings angelegen sein

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