Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 44. Band.1921
Seite: 94
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BALKONGITTER

ENTW.: REG.-BAUMEISTER H.SCHMIEDEN
AUSFÜHRUNG: JULIUS SCHRAMM-BERLIN

herum auch. Und doch eine Oase inmitten völliger
Wüstenei. Schon über dem Eingange zur
Schmiede verraten ein paar aufgehängte Zierstücke
, Probeteile früherer Arbeiten, daß hier
ein anderer Geist herrscht, als er sonst in den
Hinterhöfen Großberlins zu finden ist. Und
tritt man ein, so erstaunt man wohl über die
Unmenge von Feilen, Hämmern, Gesenken, kurz
über die Masse von allerbesten Werkzeugen, die
Julius Schramm braucht, um ein Stück so zu
vollenden, daß er es für würdig befindet, seine
Werkstätte zu verlassen. Hier wird nichts aus
halbfertigen, von Fabriken bezogenen Zierstücken
zusammengesetzt. Hier lagern nur Mengen von
einfachen Rund-, Quadrat-, Flach- und Bandeisen
, auf die solange der Hammerschlag niederfährt
, bis das Stück vollendet ist.

Schon Schramms Vater wirkte an dieser Stätte.
Der junge Schramm hat hier einst zu lernen
begonnen, dann ging er nach München, um sich
dort weiter auszubilden, und er erzählt gerne
von den wertvollen Anregungen, die er dort bekommen
hat. Später kehrte er nach Berlin zurück
und übernahm das väterliche Geschäft.

Es ist ungemein reizvoll mit diesem Manne
der Arbeit, der edelsten und besten Handarbeit,
in seiner Wohnung inmitten seiner Sammlung
von Schmiedestücken und Schlosserarbeiten aller
Zeiten zusammenzusitzen und ihm zu lauschen.
Er ist ein trefflicher Schilderer seines eigenen
Werdens und Wirkens, in dem sich sozusagen
der ganze schwere Kampf des Handwerks gegen
seine Erdrosselung innerhalb der letzten Jahrzehnte
kristallisiert. Erhält Schramm einen Auftrag
, so läßt er ihn sich wie ein echter Künstler
erst eine geraume Weile durch den Kopf gehen,
bis er selbst ein klares Bild dessen hat, was er
machen will. Denn er hält sich nie streng an
eine ihm zur Ausführung übergebene Zeichnung.
Er, der das Eisen in all seinen Arten, Formen
und künstlerischen Möglichkeiten liebt, wie kaum
ein anderer, muß sich innerlich erst den Papierentwurf
ins Brauchbare, ins Fertige, ins Material
, ins Eisengerechte übersetzen. Dann be-

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