http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_44_1921/0119
ginnen die Proben. Von jedem schwierigeren
Teile des Auftrages, von jedem größeren Zierstück
werden so lange Versuche gemacht, bis sie
ganz dem Willen und der Vorstellung Schramms
entsprechen. Als Gesellen hat Schramm nur
Leute, die früher Dorfschmiede waren; er hat
sie gelehrt, ganz in seinem Sinne zu arbeiten,
und sie tun es so gerne, daß ihn bis jetzt —
trotz der unruhigen Zeiten — erst einer verlassen
hat. Aber auch der will wiederkommen, hat er
geschrieben. Die Leute haben bei Schramm den
Reiz des vollendeten Handwerks kennengelernt;
sie fühlen sich anderswo nicht mehr wohl, wenn
es ihnen Meister Schramm auch nicht immer
leicht macht. Verreist er einmal auf einige Zeit,
und läßt er seinen Gehilfen Arbeiten zur Vollendung
zurück, so wetten sie wohl, ob er auch
diesmal noch etwas auszusetzen habe, und es
verlieren sicher diejenigen die Wette, die da
glaubten, ihm völlig genügt zu haben. Aber man
sieht an diesem kleinen Beispiel: es herrscht ein
guter Geist, wo echtes Handwerk getrieben wird.
All die zahllosen Probestücke hat Schramm
aufbewahrt; sie sind sein Archiv, und sie geben
GRABMALTÜR ENTWURF: ARCH. KOHLBECKER b
AUSFÜHR.: JULIUS SCHRAMM-BERLIN
95
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_44_1921/0119