Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 44. Band.1921
Seite: 105
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F.v.SEIDL(f)U.JUL.SEIDLER □ GEDÄCHTNISSTÄTTE D.FAMILIE V.NEUSCHOTZ. BLICK AUF DEN EINGANG

EINE GEDÄCHTNISSTÄTTE IM WALDE

Unter Bäumen ragt ein feierlich hohes Werk.
Ein im Münchener Villenvorort Harlaching
gelegener parkartiger Garten, in seinem rückwärtigen
Teil in den Wald übergehend, umhegt
eine dem Andenken teuerer Toten geweihte
Gedächtnisstätte architektonisch-plastischer Gestaltung
. Sie ist dem Andenken der verstorbenen
Ehegatten von Neuschotz geweiht; eine
pietätvolle Tochter ließ das schöne Mal errichten
und gewann für dessen künstlerische Ausformung
z*vei ausgezeichnete Münchener Künstler
, den Architekten Emanuel von Seidl und
den Bildhauer Julius Seidler. Emanuel von Seidl
ereilte über der Vollendung des Werkes der
Tod; Seidler hat dann, unter Mitwirkung des
Architekten Otto Prollius, das schöne, feierliche
Werk, für das er schon zuvor den erhebenden
bildhauerischen Schmuck geschaffen
hatte, zu Ende geführt.

Ernst und festlich-still, elegisch, in seiner
künstlerischen Ausformung hinausweisend über
die niederdrückende Wirklichkeit und die irdische
Gebundenheit, fügt sich das Werk dem
landschaftlichen Rahmen ein. Kunst adelt die
Trauer, die die Stätte atmet; man empfindet
ihre Weihe und geht getrösteter hinweg. Etwas
wie ein klassisches Ideal der Totenverehrung
erfüllt sich hier. Nicht die abweisende Majestät
des Todes herrscht in starrer Türmung,
sondern um das Gedächtnis geliebter Heimgegangener
schlingt wehes Gedenken den versöhnenden
Immortellenkranz.

Die Gestaltung greift ins Monumentale. Eine
leicht gegliederte, kunstvoll unterteilte Wandarchitektur
von etwa zwanzig Meter Breite bildet
den Fond des Baues, der als reliefartige Architektur
anzusprechen ist. Von dieser Wand
ausgehend, greift ein hallenartiger Bau von
ovalem Grundriß vor. Er ist unbedeckt und
gestattet durch die weiten Öffnungen der weich
gekurvten Vorderseite den Eingang in den geweihten
Bezirk. Ein Brunnenrund beherrscht
die Mitte. Pflaster und Rasen in wohlüberlegtem
Wechsel bilden den Bodenbelag. Der

Dekorative Kunst. XXIV. 6. März 1921

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