Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 44. Band.1921
Seite: 120
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ist aber, ob es nicht möglich ist, auch bei beschränkten
Mitteln ein vollkommenes kleines
Haus zu schaffen, ein Haus, das ein genügendes
Maß von Gemütlichkeit, Wohnlichkeit, Behaglichkeit
und Bequemlichkeit bietet, das mit
diesen Eigenschaften auch die Ansprüche des
Gebildeten befriedigt, und das dabei würdig und
edel gestaltet ist und dem Ortsbilde zur Zierde
gereicht. Diese Frage stellen, heißt sie bejahen.
Jede architektonische Aufgabe kann würdig gelöst
werden. Der Architekt muß nur dem Wohnbedürfnis
aufs genaueste nachgehen und die
beste Form für seine Verwirklichung finden.
Gerade beim kleinen, mit sparsamen Mitteln zu
bauenden Hause wird die Schaffenskraft des
wahren Baukünstlers angerufen, der es in der
Hand hat, auch einfache Aufgaben in gefälliger
und edler Form zu gestalten, der mit Umsicht
und durch Einfühlen in die innersten Bedürfnisse
des
täglichen Lebens
für das Rechte
am rechten Ort
zu sorgen weiß,
der alle kleinen
Dinge bedenkt,
nichts vergißt,
alle Wünsche der
Hausfrau und
des Hausherrn
nachempfindet.
Es ist sorgfältigste
Arbeit, die
hier gefordert
wird, eine Arbeit,
die vielleicht weniger
ruhmvoll
ist, als die des
Schaffens großer
Architekturwerke
, die aber
einen nicht minder
großen Aufwand
an Erfindungskraft
,
Scharfsinn und
Hingabe erfordert
. Immer von
neuem muß be-

TISCHLAMPE
POLIERTES

tont werden, daß diese so einfach erscheinenden
kleinen Aufgaben erst recht den gewiegtesten
Fachmann erfordern, wenn sie gut gelöst werden
sollen. Es führt nicht zum Ziele, das künstlerisch
ungeschulte Bauunternehmertum auf
diesem Gebiet schalten und walten zu lassen.
Gerade die wirtschaftliche Beschränkung, der
wir ausgesetzt sind, erfordert die höchste Aufmerksamkeit
. Hier bewährt sich mehr wie in
andern Dingen die Wahrheit, daß sich erst in
der Beschränkung der Meister zeigt. Das kleinste
Bürgerhaus ist aber um so mehr ein würdiger
Gegenstand für den Architekten, als wir wünschen
und hoffen, daß es in Zukunft in großem
Umfange erbaut werden möge und als geläuterte
Art der Volkswohnung allmählich an
die Stelle der bisherigen großstädtischen
Mietskaserne tritt. Daß dies sehr wohl möglich
ist, zeigen uns die nördlichen und angelsächsischen
Länder
, in denen
das kleine Einfamilienhaus
die
eigentliche Wohnung
des Volkes
ist und wo unser
Mietskasernenwesen
unbekannt
und überhaupt
niemals in die
Erscheinung getreten
ist. Wenn
es jemals in
Deutschland zu
einem ähnlichen
Zustande käme,
so wäre nicht nur
für unsere zukünftige
Volkswohlfahrt
Unendliches
gewonnen
, sondern
auch der Traum
vieler Tausende
erfüllt, die heute
so tief unter un-
sern Wohnzuständen
leiden.
H. Muthesius

Aus den Werkstätten
von Rieh. L. F. Schulz,


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