Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 44. Band.1921
Seite: 186
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BAUMGÄNGE IM HAUSGARTEN*)

Baumgänge — uns geläufiger unter dem Namen
Alleen — sind jene Pflanzungen, bei denen
eine mehr oder weniger große Anzahl enggestellter
Bäume ihre charakteristische Wachstumsform
zugunsten eines geschlossenen Organismus
aufgeben. Von außen betrachtet,
bietet sie den Eindruck einer festeren oder
lockeren grünen Wand, während die innen dem
Licht zustrebenden Äste den Eindruck eines auf
runden Säulen ruhenden Spitzbogengewölbes
hinterlassen, ähnlich wie wir es im Innern unserer
gotischen Dome beobachten. Der landschaftliche
Gestaltungsabschnitt
in unserer
Gartenkunst hat
diese in früheren Zeitepochen
bis zur höchsten
Vollkommenheit
entwickelte Grünarchitektur
, die bis auf
den heutigen Tag in
jahrhundertealten Alleen
überliefert ist,
gänzlich verschmäht,
denn die Landschaftsgärtner
dieser Zeit
waren gewohnt, alle
Bäume in genügender
Entfernung voneinander
zu pflanzen, so
daß sie sich ihrer Art
gemäß frei zu entfalten
vermochten. Es
war gewissermaßen
Vorschrift, die breit-
wüchsigen Kastanien
in 12 bis 15 m Abstand
und mehr, die Linden
in 10 bis 12 m, die
schlankeren Bäume dagegen
in 8 bis 10 m
Entfernung voneinan-

*) Wir entnehmen
diese Ausführungen dem
Buche: Wie baue und
pflanze ich meinen Garten
. Von Gartenbauinspektor
Harry Maaß-
Lübeck. Ein handlicher
Band; 318 Seiten mit
151 Abbildungen. Preis
geb. M.io.—. München,
F. Bruckmann A.-G.

ANNIE HYSTAK □ ANHÄNGER. CHRYSOBERYLL
IN GOLDKAPSEL (BEIDE SEITEN GLEICH) MIT
DIAMANTEN

der zu setzen, während die aus früheren Zeiten
erhaltenen Baumgänge nicht selten nur 3—4 m
Entfernung von Baum zu Baum haben, ja ab
und zu nur 2 m, was dann den Eindruck zur
Monumentalität steigerte.

Bei der Beantwortung der Frage, wie weit
Baumgänge als Raumbildner und Grünformen
für unsere Hausgärten in Frage kommen, wird
man die Art der dafür in Betracht kommenden
Bäume, deren Wuchs und Verhalten für die Zukunft
zunächst berücksichtigen müssen. Gibt der
hohe Baumgang aus Ulmen, Linden, Ahorn und

Kastanien sowie anderen
starkwüchsigen
Bäumen dem Gartengestalter
das sehr begehrte
Mittel zum
raumbildenden Schaffen
innerhalb großer
und weitgedehnter Gelände
, so dürfte er
seiner schattenden sowohl
, als auch seiner
die Proportionen vernichtenden
Eigenschaften
wegen für den
enger begrenzten Garten
nicht in Frage
kommen, in seiner
freien Form wenigstens
nicht. Anders
schon gestalten sich
die Dinge, wenn man
den Baumgang in seiner
freien Entwicklung
hemmt, ihn un-
serm Willen gefügig
macht, indem man die
Krone zeitig genug
dem Schnitt unterwirft.
Man schert die Baumreihen
und nimmt so
dem einzelnen Baum
die Möglichkeit, sich
in den ihm von der Natur
vorgeschriebenen
Wachstumsformen zu
entfalten. Man zwingt
ihn zu langsamer Entwicklung
, denn das
biologisch stark in Mitleidenschaft
gezogene

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