Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 44. Band.1921
Seite: 190
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FRITZ GRIEBEL-HEROLDS BERG OFFENBARUNG JOHANNIS, KAP. 21

und andere heitere Gebilde hat man noch, um
von dauernden Eindrücken zu sprechen, in lebhafter
Erinnerung; mit diesem Namen verbindet
sich die Vorstellung von einer weitgetriebenen
Auflockerung der Komposition, indessen auch
weiterhin festgebundener Umrißlinie, die das
Experiment der Schere ist oder es wenigstens
sein kann.

Fast immer hat man im Stofflichen des
Scherenschnittes heitere Motive gewählt, wenn
man vom Bildnis abging. Man betonte damit
den, wie man ohne weiteres annahm, spielerischen
Charakter der Silhouette; man hatte
ihre Möglichkeiten nach der bedeutenden Seite
hin noch nicht erkannt. Rolf Winkler ist auf
diesem Felde einer der Bahnbrecher, auch in
den Schäferschen Scherenschnitten und in den
Silhouetten-Entwürfen von Robert Engels für
das Salzburger Mozarteum sieht man den Schritt
zum größeren und würdigeren Gegenstand getan.
Hand in Hand damit geht die Ausbildung und
Verfeinerung der Technik. Der künstlerische
Scherenschneider unserer Zeit muß nicht nur
„innerlich voller Figur" sein, sondern muß auch
ganz genau wissen, wie sein Gebilde von Anfang
bis zum Ende auszusehen hat, d. h. es muß in dem
Augenblick in allem wesentlichen und im einzelnen
fertig vor ihm stehen, wo er die Schere ansetzt,
Korrekturen während der Arbeit selbst dürfen
nur in allerminimalster Weise vorkommen. Denn
es ist der Stolz des modernen Silhouettenschneiders
, seinen Scherenschnitt aus einem einzigen
Stück schwarzen Papiers herauszuholen
ohne anzustückeln und ohne zu flicken, in einer
großen Linie die Schere vom A bis zum Z,
von der Einschnittstelle bis dorthin, wo die
Schere wieder aus dem nun völlig zum Bild gewordenen
Stück Papier herausgleitet, zu führen.
Einige Scherenkünstler halten es für notwendige
Selbstverständlichkeit, daß ihr Kunstwerk,
selbst wenn es von stattlichen Ausmaßen ist,
der Stützung durch Klebestoffe nicht bedarf: es
wird zwischen Glas und etwa einer Seidenunterlage
eingepreßt und kann von dem Kenner
frei herausgenommen werden. Freilich besteht
auch die Möglichkeit, daß die Zeichnung auf
der weißen Rückseite des Schwarzpapieres aufgetragen
und dann mit einem feinen Federmesserchen
die Silhouette ausgeschnitten wird,
indessen ist dieses Verfahren wohl das weniger
verbreitete. Freilich ist es im Grunde gleich, auf
welche Weise die endgültige Wirkung erzielt
wird, die Hauptsache ist, daß sie überhaupt
erreicht wird.

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