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I
stehenden Fabrik Klostermühle
(Böhmerwald
) ein sehr dankbares
Arbeitsgebiet finden
konnte. Als aber nach
dem Tod des Barons
Spaun der Stern von
Klostermühle vorübergehend
verblaßte, kam
Beckert als künstlerischer
Leiter in das Luxusglas
warenwerk Mügeln
bei Dresden, wo er
sich ebenfalls bewähren
konnte. MitseinemEin-
tritt in die Fachschule
vonSteinschönausehen
wir bald einen frischen
Zug in der dortigen
Glasdekoration, in erster
Reihe was die gemalten
Gläser anbelangt
, allmählich aber
auch in allen anderen
Dekorationsarten. Die
traurigen Kriegsverhältnisse
, die der Anstalt
z. B. den Chemievertreter
Professor Tischer
ganz entzogen
und das chemische Laboratorium
in eine Kriegsküche verwandelten,
wie namentlich der Mangel an Heizmaterial in
den Jahren 1916 und 1917, der die Schließung
der Anstalt selbst
auf Monate erzwang
, waren wahrlich
nicht darnach
angetan, eine reiche
Tätigkeit zu begünstigen
. Der Lehrer
für das Glaskugeln,
Krause, zog ins
Feld und kam 1916
als Invalide wieder
; der ausgezeichnete
Fachlehrer
und Glasschneider
Otto Pietsch sen.*)
FACHSCHULE F.GL AS INDUSTRIE.STEIN SCHÖN AU
DIAMANTGERISSENES, RUBINIERTES GLAS
ENTWURF UND AUSFUHRUNG: A. BECKERT
*) Viel Aufmerksamkeit
fand ein
von diesem geschnittener
Luther-
Briefbeschwerer bei
der Reformations-
Jubiläumsausstellung
des Stuttgarter
Landes-Gewerbe-
museums 1917.
FACHSCHULE FÜR GLASINDUSTRIE, STEINSCHÖNAU
ZIERSCHALE MIT ZARTER SCHWARZLOTMALEREI UND
GOLD 0 ENTWURF: A. BECKERT
trat nach vollendeter
Dienstzeit in den
Ruhestand und sein
Schüler und Nachfolger
Emil Kromer
, wurde erst später zum
Werkmeister berufen.
Und trotzdem sich
so ziemlich alles verschworen
zu haben
schien, um mit der
Glasindustrie auch die
Fachschule ungünstig
zu beeinflussen, bilden
dennoch gerade die
Kriegsjahre eine Periode
zielbewußter und
glückverheißender Arbeit
. Gerade vielleicht
deswegen, weil das
große Handelsgetriebe
etwas zurücktrat, hatte
man mehr Zeit und
Muße, sich der ästhetischen
Veredlung der
Gläser zuzuwenden.
Und was dort in den
Jahren 1915 — 18 entstand
, wurde zu imposanten
Ausstellungen
zusammengefaßt, die
zuerst in den Kunstgewerbemuseen von Wien
und Prag, in Reichenberg und Brünn, vor
allem aber in verschiedenen Städten Deutschlands
wie in Berlin,
Magdeburg, Köln,
Altona, Nürnberg
und München, dann
aber auch darüber
hinaus in Stockholm
und gemeinsam mit
anderen Erzeugnissen
des österreichischen
Werkbundes
in Kopenhagen
, Kristiania,
Sofia und Bukarest
vorgeführt worden
und überall den
verdienten Beifall
fanden.
Die abgebildeten
Kunstgläser, die
zum größten Teile
auf die Entwürfe
von Professor A.
Beckert zurückgehen
, lassen deutlich
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