Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 44. Band.1921
Seite: 202
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_44_1921/0242
kultur nicht wegzudenken. Heute rücken die
Werkstätten mit einem Wohnhaus auf den Plan,
das von der Tradition, die auf jungen Flügeln
über die roten und grauen Dächer und durch
die grünen Straßen der Gartenstadt schwebt,
nur Eines mitbringt: das handwerkliche Verantwortlichkeitsbewußtsein
. Denn alles, was
wir sonst an den Erzeugnissen dieses Unternehmens
loben, die Logik der Konstruktion,
die Einheit von Zweck und Form, das Gefühl
für die Schönheit des Ungezwungenen und
den Geschmack des Alltäglichen, steckt schließlich
, ein ebenmäßig entwickelter Kern, in der
Schale dieser edelsten Tugend der Schaffenden
. Denn im übrigen, als technische Leistung
aufgefaßt und in seinen Zielen verstanden,
ist das neue Wohnhaus in Hellerau ein revolutionäres
Gebilde. Seine Keimzelle steckt in
der Überlegung, daß Deutschland immer noch
eines der holzreichsten Länder der Kulturwelt
ist. Holz ist, von allen Baustoffen, das einzige,
das sich unabhängig und fern von dem Orte
seiner Bestimmung, dem Bauplatz, technisch
bis ins Letzte zurichten läßt. Die Massenerzeugung
von Bauteilen und -gliedern in typischer
Form, bisher nur für Fenster, Türen,
einzelne Pfosten, Binder und Bretter geübt,
wird auf das Ganze des Hauskubus ausgedehnt
. Das Ergebnis: das Haus ist kein Blockhaus
, kein Fachwerkbau, sondern ein Gefüge
von Schwarten, Tafeln, Leisten, in seinem
technischen Organismus durchaus bestimmt
von der Arbeit des Zimmermanns und des
Tischlers.

Das ist das eine: in der Fabrik, auf dem Zimmerplatz
in Massenbeständen erzeugt, werden die
Glieder des Hauses von zwei Männern am Bauplatz
zusammengesetzt, verfugt, verschraubt.

Der Bauplatz ist nach dem sorgfältig durchgearbeiteten
Plan fundamentiert; die beiden
Zimmermeister stellen die herangefahrenen Eckpfosten
auf, die Querhölzer und den Dachstuhl
, und decken zuerst das Dach ein, um
die Innenarbeiten, ungestört von jeder Unbill
des Wetters, dann in Ruhe zu vollenden. Für
das Dach, das bei dem Versuchshaus mit Bi-
tumitekt, einer wetterfesten, mit Steinmasse
imprägnierten Dachpappe, eingedeckt ist, sind
bei allen weiteren Häusern Holzschindeln, beste
Wärmespender, vorgesehen. Die Wände des
Hauses bestehen aus 60 — 75 cm langen, an
den Pfosten eingefälzten Schwarten, einer Lage
Dachpappe, einer Schicht festgestampfter Torfmull
, wieder Dachpappe und den kiefernen oder
fichtenen Tafeln, die keinen Anstrich und keine
Papiertapete brauchen. Alles Holz des Innenausbaus
ist gegraut, d. h. durch Säuren in
seiner natürlichen, gewachsenen Zähigkeit gegerbt
und in seiner lebendigen Maserung erhalten
. Auch die Decken bestehen aus solchen
Holztafeln, deren unvermeidbare Substanzverschiebungen
unter den vertikalen Leisten aufgefangen
werden.

Entscheidend aber für die ökonomische
Durchbildung des Grundrisses ist der Einbau
aller Schrankmöbel in die Wand. Wie im
Wohnzimmer das Büfett zwischen ihm und
der Küche, die kleinen Vorratsschränke unter
dem Fenster, so sind zwischen den Schlafzimmern
die Kleiderschränke aus der doppel-
wandigen Raumumgrenzung herausgespart. So
sind nicht nur die Kosten für das Mobiliar
um ein wesentliches verringert, sondern auch
die Hellhörigkeit des kleinen Komplexes eng
verschränkter Räume ist fast gänzlich aufgehoben
. Ein kleiner Vorplatz mit Tischchen,

GRUNDRTSZ :

1. Kleider- und Wäscheschrank

2. Büfett

3. Bücherschrank

4. Wandschränkchen

5. Eckbank

6. Tisch

7. Nähtisch

8. Waschtisch

9. Nachttisch

10. Bett

11. Küchenschrank

12. Regal

13. Badewanne mit Klappe

14. Grudeherd

15. Klapptür zum Keller

16. Bank

17. Klapptisch

18. Fußabstreicher
ig. Bodentreppe

20. Kleiderablage

21. Schirmständer

22. Stuhl

23. Schränkchen

24. Heizung

(gl Beleuchtung

202


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