Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 45. Band.1922
Seite: 22
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ALBERT WEISGERBER f

VORSTADT

Erscheinung. Es ist nicht komponiert und
dennoch Bild.

Besonderes Interesse erregt das Corinthka-
binett. Ohne Frage, er war gegenüber Liebermann
und Slevogt in der Wertung ein wenig
vernachlässigt worden. Er stieß oft ab. In
der Tat ist er als Künstler bei weitem nicht
so ausgeglichen wie Liebermann und Slevogt.
Es schien, als ob er öfter sich selbst verneinen
wollte. Mit jähem Ruck trennte er sich von
gesicherten Werten, stürzte sich mit bestialischer
Wildheit und oft grellem Ungeschmack in Probleme
und löste Komposition und Farbe auf. Kam
er dann zurück, war dennoch etwas gewonnen.
Diesen Gewinn aus seinen Extratouren hat
man übersehen. Gegenüber Liebermann und
Slevogt trägt seine Natur leichter und ungrüblerischer
das konventionell akademische Erbe.
Dies ist sicher ein Wesenszug seiner Natur,
die dennoch revolutionäre Spannungen kennt,
wie die anderen beiden Berliner Weggenossen

sie nie gekannt haben. Man kann nicht sagen,
daß in diesen grellen Seitensprüngen eine heftig
aufstoßende Problemsucht sich Ziele setzt;
nein, es bleibt nur der Eindruck eines heftigen
Lebensdranges; den der Mensch gegen den
Künstler aufbringt. Vergleicht man den großen
liegenden weiblichen Akt mit dem Interieur,
in dem die Morgentoilette stattfindet, hat man
zwei gute, vortrefflich ausgeglichene Bilder, die
aber sicher getrennt sind durch Corinths, die
wie absichtliche Verleugnungen seiner selbst
aussehen würden. Die akademische Kühle der
Erfindung ist oft peinlich, aber die Dringlichkeit
seines Vortrags, die Leidenschaftlichkeit,
mit der alles auf eine letzte Vitalität gebracht
wird, die Souveränität seiner Pinselführung
, sind grandios. Hier ist Slevogt
willensschwacher. Leichter formt sich in diesem
heiteren Talent Phantasie und Bild. Er
hat Geist, Witz, Laune, nicht nur in der Erfindung
, sondern auch im Vortrag. Corinth

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