Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 45. Band.1922
Seite: 26
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Pechsteins wirkt er rührend bescheiden. Unter
den Künstlern der ehemaligen „Brücke" ist er
der, welcher am stärksten an sich arbeitet. Es
glüht still in ihm, ein religiöser Zug geht durch
seine Natur. Leidenschaftlicher glüht die neue
Seele in Schmidt-Rottluff. Er ereifert sich und
wird fanatisch im Haß gegen die Form. Seine
Stilkunst wird ohne Zweifel von einem starken
Willen getragen, den Gedanken auf seine Form
zu bringen. Er kennt den Schauer des zweiten
Gesichtes der Dinge, kennt die Gestalten seiner
russischen Erlebnisse und bannt sie in Häuser,
in Wege, in Bäume, die trauern oder laut
schreien, die wie gebannt in der Einsamkeit
liegen oder Menschennähe sehnsüchtig suchen.
Aber mit Pechstein teilt er, zwar von anderer

Seite her, die schnell wirkende dekorative Note.
Er will künden, will überzeugen und die Form
gerät arg in die Nähe der Formel.

In der Plastik begegnet man bei Gaul, Kolbe,
Barlach viel guten Bekannten. Ein letzter Blick
gehört aber einer weiblichen Büste vonSchadow.
Ihre keusche Schönheit in den wundervoll knapp
geführten Linien, den leicht gespannten Flächen
, ist Stil von reinster Melodie. Wenn die
Schriftsteller früherer Jahrhunderte die höchste
Qualität eines Kunstwerkes zum Ausdruck bringen
wollten, sagten sie nach Aufzählung aller
Trefflichkeiten „und doch wisse man nicht zu
sagen, wie es gemacht ist". Vor dieser Büste
fällt einem dieses ,,ignorabimus" der großen
Kunst ein. W. Kurth

AUGUST GAUL KÄUZCHEN

Ausstellung Potsdamer Kunstsom»ier — Mit Erlaubnis von Paul Cassirer, Berlin

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