Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 45. Band.1922
Seite: 35
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der Rolle des Stückes, vermögen sie aber nicht
mit sich natürlich in Wirklichkeit umzuwandeln,
denn die wahrhaft große Schauspielkunst ist eine
unendlich seltene Erscheinung.

Ein Porträthaftes kann vom Dichter wohl
angestrebt werden, wenn er wie bei historischen
Figuren an eine Wirklichkeit gebunden
ist und äußere feste Punkte gegeben sind. Sie
müssen aber so ganz aufgesogen sein vom
Motiv und zu dessen natürlichem Ergebnis
werden, um dramatisch zu wirken, daß ihm
das Porträthafte daran kein anderes Gestaltungsmittel
an die Hand gibt, als bei erfundenen
Figuren, und daß es auch nicht als ein anderes
in Erscheinung tritt. Er kann es als
Künstler immer nur als ein vorgestelltes Individuelles
geben, nicht als ein Wirkliches.

Die Quelle der lebendigen Gestaltungskraft
liegt auch vielmehr in der inneren als in der
äußeren Erfahrung. Die Fähigkeit, alle möglichen
inneren generellen Vorgänge organisch
zu fassen und in sich wahrzunehmen, bringt
es zustande, verschiedene lebende Individuen
zu gestalten. Der Eindruck der realen Wahrheit
der Figuren ist ein Resultat der dichterischen
Kraft, einen organischen Zusammenhang
aufzudecken und beruht nicht auf einem
Kopieren von Gestalten der Wirklichkeit.

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