Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 45. Band.1922
Seite: 50
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HEINE RATH

SMÖGEN

Des schönen, traumhaft-phantastischen Blickes
auf Stockholm vom Jahre 1903 mit seiner
perlmutterartigen Behandlung des Wassers
ist schon oben gedacht worden. Ein lyrischer
Stimmungszauber erfüllt auch die „Abendruhe
am Hafen" mit den gelben Segeln vor dunkelbraunen
Uferrändern. Ganz in zarte duftige
Töne gehüllt sind die Blätter „Mondschein" und
„Herrenalb zur Blütezeit". Aber zuweilen
ging er auch stark in die Farbe wie bei dem
„Nordischen Fischerstädtchen", wo ein tiefes Rot
und Gelb auf ungebrochenem Blau stehen und
kleine weiße Segel den mit dem Horizont zusammengehenden
bedeckten Himmel schneiden.

Ein unwiderstehlicher Drang trieb ihn jedoch
mehr und mehr dem Holzschnitte entgegen
und hier war es, wo seine Kunst die schönsten
Blüten und reifsten Früchte zeitigte. Zunächst
noch durch die neue Technik verleitet, unwillkürlich
japanischen Einflüssen nachzugeben, wie
in dem Blatt „Brandung und Sturm" oder in
den „Verschneiten Bäumen" mit ihrer feinen
Bewegung der Äste und der überzeugenden
Schneeluft, schuf er dann 1906 in den „Schären"
ein starkfarbiges Blatt und in der „Regatta"
eine Symphonie aus Weiß, Blau und Grün.
Köstlich sind die Ansichten des „Petit Trianon"
in Paris und „Generalife" in Granada. Reizend
wirkt der „Pont Royal" in der Bewegung seiner
dunkeln Brückenbogen vor dem hellen Häuserhintergrund
mit den kleinen schwarzen Flecken
der Passanten und Omnibusse. Von den beiden

1910 in Dresden entstandenen Motiven „Terrassenufer
" und „Zwinger", ist das erstere ein
wenig durch den etwas zu leeren Vordergrund
in seiner Wirkung beeinträchtigt, während das
zweite in der geschickten Verbindung der beschatteten
Architektur mit den grünen Kupferdächern
und den von roten Geranien belebten
Rasenflächen einen großen Zauber ausübt.
Die treffsichere Zeichnung der geschweiften
Galerien und Pavillons erhöht noch den Reiz
und mit feinem Geschmack hat der Künstler
verstanden, den Mißklang der pseudogotischen
Türme der Sophienkirche in zartem Duft aufzulösen
und zu mildern.

Allmählich führte ihn seine Verliebtheit in
Holzstock und Schneidmesser von der Verwendung
ungebrochener Farben zu einer Beschränkung
derselben und schließlich zu der Erkenntnis
, daß Schwarz das Edelste in der Graphik,
wenn auch zugleich freilich das Schwerste sei.
Diese Überzeugung ließ in ihm den Plan zu
einem auf zwei Mappen beschränkten Werk
reifen, das unter dem Titel: „Deutsche Städte"
vierzehn nur auf die bescheidene Harmonie
von Schwarz, Grau und Weiß gestimmte malerische
Ansichten umfassen sollte und das er
in den zwei Jahren 1916 und igi7 glücklich
zu Ende führte. Ich schrieb damals für den
Prospekt dieser im Selbstverlag des Künstlers
erschienenen, auf dreißig numerierte Exemplare
beschränkten und natürlich längst vergriffenen
Veröffentlichung eine Art Geleitwort,

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