http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_45_1922/0102
ALBRECHT ALTDORFER
LANDSCHAFT (RADIERUNG)
dorfer auf als zu dem, der um das Jahr 1530
die erste deutsche Landschaft rein um der
Landschaft willen, ohne heilige Figuren, ohne
Staffage, ohne Begebenheiten, ohne Drama
malte. Es ist selbstverständlich, daß Altdorfer
damit das „Repertoire" der Malerei ungeheuer
bereicherte. Er gab den Bildern, auf denen
die Menschen vor gobelinhaften Hintergründen
oder vor neutralen Wänden agierten, Tiefe
und Räumlichkeit, er nahm ihnen den peinlichen
Eindruck der kurzen Bühne und verlieh
ihnen die Luftigkeit und atmosphärische
Kraft des Freiraums. Das mehr im äußerlichen.
Innerlich aber bedeuten seine Bilder und graphischen
Schöpfungen eine ungeheure Steigerung
des Naturgefühls und damit zugleich
der nach außen wirkenden, aus dem dumpfen
mittelalterlichen Geist zur Ausstrahlung der
Persönlichkeit und zur Befreiung von dogmatischem
Zwange strebenden Individualität.
Was ist in diesem Regensburger Maler an subtilstem
Naturempfinden! Da ist kein Blümlein
und Grashalm, kein Blättchen am Baum, kein
Käferlein oder Falter so klein, daß es Alt-
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