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JULIUS BERGMANN
FRÜHMORGENS (1898)
haben. Julius Bergmann ist am 28. Februar 1861
in Nordhausen geboren. Der junge Sohn der
mitteldeutschen Kleinstadt, der schon von dem
kunstsinnigen Vater die ersten Anregungen
erhalten hat, wird dann nach Frankfurt verschlagen
, verlebt dort seine Kindheit und lernt
auf der kleinen Kunstschule des Staedelschen
Instituts, die damals in ihrem Flor stand, in
den Jahren 1879 bis 80 bei dem Professor Hasselhorst
alles, was diese Schule geben konnte, die
Beherrschung des Metiers, das Handwerkliche,
die Sicherheit mit Stift und Pinsel. Seine ersten
Arbeiten sind Zeichnungen von naturwissenschaftlicher
Treue, aus dem Zoologischen Garten
wie dem Aquarium, dazu Illustrationen für
wissenschaftliche Veröffentlichungen des Hofrats
Stein. Eine erstaunliche Treffsicherheit, ein
zoologisch exakt arbeitendes Auge, eine sichere
Formenkenntnis war der Ertrag dieser nicht
ganz leichten Lehrzeit. Neben den Naturstudien
stehen aber die reizvollsten zarten, mit spitzem
Bleistift und Feder gezeichneten Porträtköpfe
aus Frankfurter Patrizierhäusern, vor allem im
Hause des kunstsinnigen Stadtrats Heinrich
Flinsch, als Erinnerung an diese Jahre einer erst
tastenden künstlerischen Betätigung. Dann ist
es der neue Aufschwung der Karlsruher Landschafterschule
, die seit 1880 unter dem jungen
Schönleber ihre zweite Blüte erlebte (wenn man
als die erste große Periode dieZeit Schirmers faßt)
— gleichzeitig mit dem jungen nur 29jährigen
Urschwaben aus Bietigheim war der ältere
Dresdener Baisch nach Karlsruheberufen worden,
und diese beiden mit ihrer ganz neuen, großen
und zugleich einfachen Art, die Landschaft zu
sehen, mit den hellen und lebendigen Farben,
mit dem starken Wirklichkeitssinn, auf das
glücklichste zusammenwirkend, lockten eine
stattliche Zahl von Kunstjüngern aus ganz
Deutschland an: der junge Bergmann war unter
den Begabtesten. Seine Neigung zu den Tierdarstellungen
führte ihn in die Schule Baischs,
hier fand er von 1883 an den idealen Lehrer,
unter seiner Führung entwickelte er sich vor
allem zum Tiermaler. Das 1885 entstandene
große Bild „Unter den Weiden", das sofort in
den Besitz des preußischen Staates überging,
zeigt, mit welcher Schnelligkeit er hier vom
Gesellen zum Meister aufgerückt war. Ausgedehnte
Studienreisen durch einen guten Teil
des mittleren Europa schließen sich an. Der
Wunsch, die Tiere nicht nur in der ruhigen
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