Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 45. Band.1922
Seite: 108
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JULIUS BERGMANN

Behaglichkeit zu beobachten, sondern sie in der
Freiheit, in einer ganz anderen Vitalität, in
wildester Bewegung zu studieren, führte ihn
schon 1886 zum erstenmal in die ungarische
Tiefebene. Es war die weite Pußta von Debreczin
mit ihren fast im Hunnenzeitalter stehengebliebenen
Hirten, die endlos sich dehnende
Fläche, die Petöfi und Lenau besungen, die ihn
lockte und immer wieder festhielt wie oft
hat er dort mit den wilden Gesellen die unendlichen
Flächen durchmessen: ein paar prachtvoll
bewegte Bilder, das große Gemälde „Auf der
Hortobagyer Pußta" und „Markttag in Karezag"
in Karlsruher Privatbesitz, ein Hohlweg
mit übereinander getürmten Pferdeleibern und
ein Haufen kühner Skizzen sind Zeugen dieser
Periode. Und wieder zog ihn die erste Bekanntschaft
mit den Schotten und ihren tiefen und
verschleierten Farben,ihrer schwärmerischen und
melancholischen Landschaftsauffassung nach
den Hochmooren Schottlands, nach der künstlerischen
Heimat der Glasgowboys. Aber nachdem

er den Noiden und Süden
durchwandert, die unge-
zähmte Natur an der Peripherie
, in der Mitte in
Holland, in der Heimat
seiner großen Vorbilder
Potter und Cuyp, die gebundene
und nur allzu ge-
zähmtekennengelei nt hat,
zieht es ihn wieder nach
Süddeutschland und er findet
wie Schönleber auf dem
Umweg über die Ferne die
enge Heimat, eine Landschaft
mit geheimnisvollen
Weihern und verborgenen
Waldwiesen, auf
denen prächtige schwere
Rinder weiden, mit Wildwässern
und einer von
der weichen Feuchtigkeit
üppig gesteigerten Vegetation
, wo die mit Wasserdunst
geschwängerte Luft
mit dem Himmel und den
schleppenden Wolken sich
eint, wo die Farben satt
und glänzend und zugleich
gedämpft, von zitternder
Weichheit sein können,
einSpiegel für diefroheju-
belnde Morgenstimmung
wie für schwermütigen
Abendzauber — er findet
dies geträumte und gesuchte
Idealland seiner
Motive in einem der herrlichsten Erdenwinkel
des südwestlichen Deutschlands, der Gegend
nördlich von Straßburg. In den Niederungen
der III, die dort „Fuchs am Buckel" heißen,
hat er zehn Sommer hintereinander, von Karlsruhe
und später von Düsseldorf aus, von den
Schnaken zerstochen, die Landschaft belauscht
und sein zahmes Wild geliebt wie ein Jäger,
er ist ein Prediger der fruchtbaren und idyllischen
Schönheit dieses Landes geworden, an
das wir jetzt nur mit trauernder und schmerzender
Sehnsucht als ein verlorenes Paradies denken
können. Als ein Gegengewicht zu diesem
camping-life ward ihm das Glück einer starken
künstlerischen Anregung ganz besonderer Art
— der Aufenthalt in dem gastlichen Hause des
Grafen Oriola in Büdesheim, der sich durch
vier Jahrzehnte hindurchzieht — in diesen
feinsinnigen Mäzenen entstanden ihm zugleich
auch die lebendigsten Förderer seiner Kunst.

Den nur 36 jährigen berief dann 1897 der
preußische Staat als Professor auf den neu-

DER WILDERER (1909)

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