Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 45. Band.1922
Seite: 114
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JULIUS BERGMANN

SONNTAGMORGEN IM WEIDENGRUND (1914)

diese Wunder der Farbe umspielt und sie in
ihre weichen Schleier einhüllt.

Was diesen Landschafter auszeichnet und
was mir immer vor allem als Ausdruck der
ihm gemäßen künstlerischen Reife erschienen
ist, das ist der hohe Sinn für den Aufbau, für
die innere Gesetzmäßigkeit der Kompositionen.
Man möchte zumal die großen Bilder daraufhin
genau prüfen: daß die Gründe sich ebenso und
nur so ineinanderschieben, daß die Vordergrunds-
soffiten so und eben nur so den Himmel überschneiden
, daß man für die Verteilung von
hell und dunkel keinen anderen Rhythmus sich
denken kann, daß die Hauptlichter mit innerer
Notwendigkeit an ihrem Fleck stehen, daß die
große Bewegung der Massen nur in diesem und
keinem anderen Rahmen verrauschen kann, das
wird immer wieder bei jedem dieser Bildaufbauten
klar. Wenn man heute von Komposition
in der Landschaft spricht, ist das
Geschlecht von gestern schon geneigt, die Achseln
zu zucken, weil der Impressionismus eigentlich
die Forderung des Aufbaus leugnete. Was der
Generation von 1880 in Deutschland wie der
von 1850 in Frankreich als Ausdruck höchster
Weisheit erschien, ist vielen nicht nur ein überflüssiges
, sondern fast etwas Schädliches: hat
aber nicht gerade die Landschaft der Expressionisten
wieder erneut den Sinn für das Tektonische
— recht eigentlich das Gebaute, Getürmte —
gelehrt? Notwendig ist nur, daß dies Rationalistische
oder gar das Rezeptmäßige einer solchen
komponierten Landschaft uns nie störend bewußt
wird. Der Laie darf eigentlich erst merken,
wie gut und wie ökonomisch solch ein Bild
aufgebaut ist, wenn er versucht, aus dem Bild-

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