http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_45_1922/0161
ULFERT JANSSEN
PROFESSOR AXEL HOLST
Anmut über die Gestalten ausgegossen. Darum
haben auch die Grabmäler, die Janssen entworfen
hat, wie das Merkeische Familiengrab
in Eßlingen bei Stuttgart, nichts Lastend-Tra-
gisches. Nur gedämpfte Trauer, die zu wehmütigen
Träumen lockt, atmet die von Bäumen
umstandene und in wuchernden Rosenranken
halbversinkende Gestalt, eine Trauer,
die nicht schmerzt, sondern löst und versöhnt.
Hier ist der Künstler schon auf dem Wege
zu jener Verinnerlichung, der das Streben des
Reifgewordenen gilt. Seine früheren Architekturplastiken
sind wesentlich dekorativer aufgefaßt
. Mußte ihm doch auch zunächst die
Bewältigung des rein Formalen angelegen sein.
Der Reliefstil ist bei den beiden großen, aus
schwarzem belgischem Marmor geformten
Pfeiler figuren in der Münchener Universitätsaula
vorzüglich getroffen. Eine leise, befangene
Steifheit hat doch nichts Störendes. Der Sinn
für das Wesentliche zeigt sich schon hier stark
entwickelt. Dies gilt in noch höherem Grade
von den zwei auf niederen Postamenten, eine
kleine Treppe flankierenden, ruhig lagernden
Steinblöcken, die Janssen für die große Münchener
Ausstellung 1908 gefertigt hat. Verständnisvolles
, von Nachahmung freies Studium
ägyptischer Tierplastik macht sich bemerkbar.
Das Material ist trefflich gewählt: Die Tiere
selbst sind aus dunklem Granit geformt, die
127
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_45_1922/0161