Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 45. Band.1922
Seite: 128
(PDF, 78 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_45_1922/0162
mächtigen Hörner
aus getriebenem
Kupfer
angesetzt; der
Sockel ist aus
Beton. Janssens
figürliches Schaf -
fen ist so eng
mit der Architektur
verwachsen,
daß es kaum irgendwelche
freie
Rundskulpturen
aufzuweisen hat.
Denn auch die,
noch ziemlich
früher Zeit an-
gehörige, an eine
Hirschkuh gelehnte
Frauengestalt
mit der
Schale in der
Linken war ursprünglich
eine

Brunnenfigur
und ward nur
später auch als
Kleinplastik ausgeführt
. Reizvoll
ist die Formlösung
mit der
Überschneidung
des wagrechten

Tierkörpers
durch die leichtbewegte
Senkrechte des Frauenleibs. Feiner
noch ist die in kleinem Maßstab ausgeführte
Mädchengestalt der letzten Zeit, frei, bewegt,
und doch ganz in sich geschlossen.

Das ureigentlichste Gebiet Janssens aber ist
das Porträt. Als echter Bildnisplastiker kennt
er keine Vorliebe für einen bestimmten Typus.
Man spürt diesen Büsten an, mit welcher Freude
sich der Bildhauer in die unerschöpfliche Vielgestaltigkeit
der Natur hineingefühlt hat, wie
es ihn reizt, der individuellen Bildung der Form
und der individuellen Bildung des Geistig-
Seelischen nachzugehen, das eben jene Form
sich selbst gebildet hat. Den leidenschaftlichen
und den klug bewußten Künstler — den feingeistigen
Gelehrten — den bedeutenden Juristen,
dem alles Denken sich in schärfste logische
Konstruktionen löst — den nervösen, beweglichen
, zu Sarkasmen neigenden Schriftsteller
— den beinahe scheuen und zarten, allem
Lauten abholden späten Abkömmling alten
Adelsgeschlechts — den feisten Genießer,
dem Kultur Kultur des Gaumens bedeutet —■

ULFERT JANSSEN

den unkomplizierten
, brutalen
Soldaten — die
selbstbewußte,
reife Fi au — das
kaum erst erwachende
, in unbewußter
Anmut
befangene Mädchen
— das fri-
sche,drollig frohe
Kind — sie alle
gestaltet er mit
der nämlichen
Unmittelbarkeit.
Immer beginnt
die instinktsichere
Charakterisierung
bereits bei
derWahl des Materials
, das ständig
je nach Bedürfnis
wechselt:
Marmor, Granit,
Kalkstein, Basalt
, Ton, dunkle
oder vergoldete
Bronze, Eisen,
Wachs usw. usw.
Undimmeristdie
Technik, ist die
lebendige Oberflächenbehand
lung
den besonderen
Wünschen
des Stoffes angepaßt. Nichts Kleinlich-Nebensächliches
lenkt ab und dennoch ist nichts vergessen
, dennoch wird alles Eigentümliche der einmaligen
Bildung wiedergegeben. DieFlächen sondern
sich klar, doch nicht gewaltsam voneinander
und ordnen sich zu großen Formen. Keine
ausdrucksleeren Stellen kommen vor, kein Nachlassen
der Frische während der Gestaltung. Der
architektonisch geschulte Bildhauer bewährt
sich an der Überleitung des Kopfes zum Sockel,
die wiederum mithelfen muß bei der Charakterisierung
. Sie wird jeweils so völlig aus der
Gesamterscheinung des Dargestellten abgeleitet,
daß wir aus den Büsten allein schon Körpergröße
und Körperbildung, Haltung und Gebärdenspiel
der Glieder ablesen zu können vermeinen
. Auch die frühesten Büsten sind trefflich.
Wenn in den Bildnissen Janssens eine Entwicklung
sich abzeichnet, so ist es die des Fortschreitens
von mehr dekorativ-formaler Auffassung
zu immer tieferer Verinnerlichung und
Vergeistigung, die sich ohne Preisgabe der
Form vollzieht. Hans Hildebrandt

DIE TOCHTER DES KÜNSTLERS

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