Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 45. Band.1922
Seite: 130
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FRITZ SCHWIMBECK AUS „FIEBER" (RADIERUNG)

Wende - Verlag, München

FRITZ SCHWIMBECK

In einem Essaibüchlein von 1899 hat B. Rüt-
tenauer für Künstler wie Thoma, Böcklin,
Klinger die Bezeichnung „Malerpoeten" geprägt.
Traf das Wort immerhin einiges vom Wesen
der Genannten, als Ganzes blieb es eine bedenkliche
Charakteristik, die viel Verwirrung angerichtet
hat. Nicht die „eigenen Ideen" und
..inneren Gesichte" machen den Maler von Qualität
: es liegt in dieser Betonung des Gedanklichen
sogar eine große Gefahr für das Bild.
Gerade Klinger hat darauf hingewiesen: Das
was man allgemein „Gedanken", „Idee" im
Bild nennt, besteht nur zu oft aus willkürlichen,
fast immer aber mehr oder weniger geistreichen
Kombinationen von Dingen und Ereignissen
, die mit der Darstellung selbst nichts
zu tun haben, aber Ideenassociationen erwecken.
Diese können wohl geeignet sein, charakteristisches
Licht auf den Gegenstand zu werfen,
sind aber meist für ein Publikum berechnet,
das über den Kunstwert sich unklar, etwas
zum Fabulieren, zum „Verstehen" haben will.

Eine bedeutsamere Rolle spielt der schöpferische
Gedanke in der Schwarzweißkunst, was
wiederum Klinger in seiner Schrift „Malerei
und Zeichnung" geistreich entwickelt hat.

Die abstraktere Darstellungsweise der Zeichnung
entrückt die Dinge mehr der Wirklichkeit
und läßt der Phantasie weiten Spielraum.
Deshalb ist hier das Ideelle gleichsam natürlicher
zu Hause. Es läßt auch aus demselben
Grunde eine mehr persönliche Deutung zu,
wird von selbst kritisch, satirisch, philosophisch.
Man denke an beste Blätter von Dürer, Goya,
Rethel u. a. Aus dieser Art drängt es die Schwarzweißkunst
zu zyklischer Abwandlung eines Themas
, wächst ihr Inhalt von selbst in das Weltgefühl
und Weltanschauungsmäßige hinein.

So ist nicht zufällig, daß der grüblerische
Norden die Graphik zu tiefsinnigen Werken
entwickelte, daß Dürer hierin stärker erscheint
als in seinen Bildern, daß selbst Rembrandt
das tiefste und letzte seines Wesens in Radierungen
ahnen läßt.

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