Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 45. Band.1922
Seite: 134
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FRITZ SCHWIMBECK B m AUS A. STRINDBERG „ADVENT": TANZ DER HEXE UND DIE SONNENKATZE

Georg Müller Verlag, München

In diese Gattung von Künstlern gehört
Fritz Schwimbeck. Aus den Eindrücken und
Erfahrungen des Lebens ersteht ihm eine Phantasiewelt
, von der aus er die Wirklichkeit mit
versonnenem Blick betrachtet und in persönlicher
Anschauung neu gestaltet. Vor allem
hat das Seltsame, Wunderliche, Unheimliche
Gewalt über ihn. Es geht ihm nach, daß er in
frühester Jugend durch die halbdunklen Gänge
und Räume eines alten Schlosses gewandert,
aus ihrer Einsamkeit das Erschauern lernte.
Sein Wesen fühlt sich E. T. A. Hoffmann, Poe,
Meyrincku. a. verwandt. Namentlich des letzteren
Werke hat er wirksam illustriert. Der
Dichter selbst bemerkte hierzu: „Wer imstande
ist, wie der junge Künstler Fritz Schwimbeck,
der die vorliegende Mappe zu meinen beiden
Romanen ,Golem' und ,Das grüne Gesicht'
geschaffen hat, sich in solcher Weise in gegebene
Stoffe einzufühlen, der hat nicht nur das
Recht, sondern auch die Pflicht, mit seinem
Können vor die Öffentlichkeit zu treten."

Schwimbeck besitzt aber nicht bloß die Gabe,
ein dichterisches Werk durch seine Bilder auszudeuten
und zu steigern, er verfügt selbst
über eine stark erfinderische Fähigkeit. Am
wirksamsten erwies er dies bis jetzt in seinen
„Phantasien über ein altes Haus". Durchaus

originell in der Erfindung und Ausführung, wie
ein morsches, verbrauchtes Gebäude, dem etwas
Bedrohliches anhaftet, im Beschauer zu spukhafter
Lebendigkeit kommt und koboldartig weiterwirkt
. Hier wurzelt auch die ganz besondere
Kraft Schwimbecks, das Verfallende und Gespenstische
im Dinglichen zu einer eigenen Welt
zu erheben. Das Figürliche verdeutlicht und steigert
durch die Art seiner Wiedergabe das seelische
Erlebnis und erscheint so als Symbol, an dem
sich etwas vollzieht. Die Technik, die der Künstler
vor allem liebt und beherrscht, ist die Federzeichnung
. In ihrem flimmerigen Gewebe besitzt
er gerade das rechte Mittel, um seine
Visionen wie aus phosphoreszierendem Halbdunkel
auftauchen zu lassen. Selbst in den
Radierungen wirkt diese Vortragsweise stark
nach; nicht immer zum Vorteil ihres Stiles,
noch des versinnbildeten Inhaltes. Überhaupt
läßt sich Schwimbeck von seinem mystischmetaphysischen
Tiefendrang gerne zu einem
Zuviel an zeichnerischem Aufwand verführen,
das die Wirkung eher hemmt als steigert.

Unabhängig hiervon wird sein Werk als das
eines der merkwürdigsten unter den modernen
Apokalyptikern jetzt schon gelten dürfen. Es
ist ein charakteristischer Niederschlag der Zeitseele
, ihrer Not und Qual, ihres Forschens und

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