Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 45. Band.1922
Seite: 135
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FRITZ SCHWIMBECK

AUS G. MEYRINCK: „DER GOLEM" UND „DAS GRÜNE GESICHT"

Georg Müller Verlag-, München

Drängens aus dem Dunkel zum erlösenden
Licht der Erkenntnis und Ergebung.

Im Durchgang — Golem. Gerümpelhaftes
Mauerwerk eines zerwohnten, uralten Viertels.
Aus brüchigem Gefüge dringt Moder; die Türen
scheinen mit dem Gewände verwachsen, alles
Menschliche erloschen. Da löst sich als schwanker
bedrohlicher Schatten eine huschende Gestalt
aus dem dunklen Bogen: der Dämon dieser
in Düsterheit versinkenden Welt wird lebendig
und geht um.

Klinkherbogk — Grünes Gesicht. In armseliger
Dachkammer, nur spärlich erleuchtet
von dem flackerigen Schein einer Schusterkugel,
sitzt ein ekstatischer Grübler. Vom Größenwahn
gepackt, gebannt, spürt er nicht das Todeszeichen
über seinem Haupt, lebt er weiter,
bis ihn die Einsamkeit verschlingt.

Eva auf der Brücke — Grünes Gesicht.
Aus engen dunklen Gassen taucht inmitten
giftiger Nachtnebel eine Frauengestalt auf, wie
einer dunklen Macht verfallen und von ihr allmählich
eingesponnen. Die Kirche, die beschützerhaft
im Hintergrund emporragt, erhöht
aber mehr das Bedrohliche der Situation, als
daß es sie mildert. Das Unentrinnbare, vor dem
der Mensch zur hilflosen Marionette wird, tut
sich vor uns auf.

Aus Strindbergs „Advent". Das ungerechte
Richterpaar, das die Sonne nicht erträgt, sieht
sie nach deren Untergang plötzlich in flak-
kernden Flecken am Mausoleum aufleuchten.
Die Überraschung und Angst der verbrecherischen
Menschen wächst sich zu einer immer
näher kommenden Gerichtsdrohung aus, die
die Natur selbst vollziehen will.

Der Hexentanz im Moor bringt in den seltsamen
Weiden und deren Beleuchtung das Verderbliche
grotesk heraus.

Auch die übrigen Blätter halten die unheilschwangere
Stimmung des Dramas fest; nur
der Kinderbesuch im Blumengarten macht eine
Ausnahme; aber auch er ist von der Atmosphäre
des Ganzen umwittert.

Dem Andenken eines in rumänischer Gefangenschaft
gestorbenen Freundes widmete
Schwimbeck einen Zyklus von acht großen
Blättern, die den Schöpfungsgedanken, das
Werden und Vergehen schildern.

Das Opfer. In unterirdischen Gelassen stehen
enggedrängt tausend Säulen übereinander. Alles
Räumliche erstickt in diesem steinernen Wald.
Menschlicher Aberwitz hat hier das Symbol des
Lebens aufgerichtet, in Todesstarre. Ihm wird
warmes, wirkliches Blut geopfert. Das Eisige,
Unzugängliche, hoffnungslos Preisgegebene des

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